Warum denn nicht mal als „Pacemaker“ laufen hieß es für mich am vergangenen Sonntag beim Stutenseer Stadtlauf. Uwe (183) ein guter Freund und Arbeitskollege wollte seine alte Bestmarke über 10 km verbessern. Da ich den Lauf zwar auf meiner Wettkampfplanung hatte aber 2 Wochen vor dem Frühjahrsmarathon und einen Tag nach der letzten intensiven 35 km Einheit sowieso keine neue Bestzeit anstrebte, bot ich mich sozusagen als inoffizieller Pacemaker an. So kam ich zu meinem regenerativen Dauerlauf und Uwe hatte einen „Tippgeber“ und Motivator an seiner Seite. Ein paar gemeinsame Trainingseinheit hatten wir bereits in der Vorbereitung schon absolviert, so dass die taktische Ausrichtung intensiv besprochen war  :-).

Motiviert bis in die Haarspitzen traf ich also am Sonntagmorgen auf die Hauptperson an diesem Tag. Startnummern holen und wie immer ans Shirt fuddeln. Es folgte noch eine kurze Inspektion des Zieleinlaufs, der gespickt mit einem Wiesenstück am Schluss noch einmal die volle Konzentration fordern sollte. Wir machten uns auf zum obligatrischen warmlaufen, wobei ich es nicht unbedingt gebraucht hätte. Peter Greif hat in meinen Trainingsplan geschrieben dass ich mich immer einlaufen soll wenn das Tempo schneller ist als 5:09 min/km, das sollte heute nicht der Fall sein, der Champ jedoch hatte ja einlaufpflicht, also gingen wir in den lockeren Trab über. Im Anschluss folgte noch die Verabschiedung bei unseren besseren Hälften, die die weite Reise auf sich nahmen, um diesem bedeutenden Event beiwohnen zu dürfen. Nach einigen Minuten in der Startaufstellung war schnell klar, das wird ein heißer Tanz, die Sonne gab alles. Der Startschuss, der eine Sirene war, setzte das Feld in Gang und wir suchten unser geplantes Tempo, den 5:30er Schnitt. Wer die Situation kennt, weis dass es im Überschwang nicht immer ganz einfach ist, sich anfangs an sein Tempo zu halten. So kam es dann auch, dass uns unsere Laufuhren nach dem ersten Kilometer bereits einen 5:15er Schnitt offenbarten. Nun war also der nicht der Zug- sondern der Bremsläufer gefragt, damit mein lieber Kollege am Ende nicht schlapp macht. Die nächsten 4 Kilometer durch den Wald verliefen planmäßig. Es war ab und an sogar noch ein Plausch mit unbekannten Mitläufern möglich, eine mir völlig unbekannte Situation.

Bei Kilometer 5 ging es dann hinaus auf´s freie Feld, wo uns auch sogleich die Sonne mit voller Breitseite in unser Antlitz strahlte. Mit meiner Bemerkung, wie schön das doch sei, dass es endlich wieder wärmer geworden ist und welche Idylle dass hier doch sei, erntete ich von Uwe nur ein missmutiges …pppffffff… das er mir unter Anstrengung aus dem rechten Mundwinkel entgegen pfiff. Ob es so gut war die „Wasserstation“ links bzw. rechts liegen zu lassen, würde sich erst etwas später noch herausstellen. Was sich dann bei Kilometer 7 mit den Worten der Grötzinger Tennislegende „jetzt nicht mehr schneller“ schon andeutete, wurde dann nach erreichen der 8 Kilometertafel deutlich. Eine 5:27 auf dem letzten 1000 Metern war auf meiner Garmin 305 abzulesen. Meine Motivationssprüche „Hopp, kämpf, wir haben es fast geschafft“ oder „im Stadion wartet das tobende Publikum“,  wurden von meinem Kollegen mit brummigen Kommentaren gekontert. Wortfetzen wie „lass mich“ und „hör auf“ konnte ich dem schnauben irgendwie entnehmen. Mit eisernem Willen und viel Kampf kamen wir auf der Wiese vor dem Zieleinlauf an. Hier war dann nochmals höchste Konzentration gefragt, bevor es dann auf das Rund ins Stadion ging. Unsere frenetisch jubelden mitgereitsen weiblichen Fans Andrea, Claudia und Vanessa mobilisierten noch einmal die letzten Kräfte in Uwe´s Leib. Mit einem fullminanten Schlusssprint auf der Zielgeraden setzten wir dann zum Finalen Schlag an. In einer Fabelzeit von 53:40 min brachte ich meinen Schützling ins ersehnte Ziel. Eine neue persönliche Bestzeit für den Champ! Auf große Jubelarien musste der Gute allerdings verzichten, viel zu schnell wurde er wieder auf den Boden der Tatsachen geholt 🙂 und das im wahrsten Sinne des Wortes. Jetzt wurde aus dem Pacemaker der Wasserträger.

 Hut ab mein Freund, mit einer tollen kämpferischen Leistung und ganz viel Ehrgeiz hat er die selbst gesteckte Zielzeit zwischen 53-55 min bravurös erreicht. Was ein Pacemaker und Wasserträger so alles ausmacht. Auch für mich war es mal eine ganz neue Erfahrung, meinen sonntäglichen Regenerationslauf unter Wettkampfbedingungen und mit vielen Gleichgesinnten zu absolvieren. Wie singt U2 so schön „It’s a beautiful day, don’t let it get away!“ In diessem Sinne…keep on running…Euer Wolle

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