Am letzten Sonntag den 28. April fand im Saarland der St. Wendel Marathon statt. Für diesen Tag hatte ich lange trainiert und mir entsprechend viel vorgenommen.  Ich wollte in diesem Rennen unbedingt die 3:15h knacken. Die Wetterprognose war vielversprechend, kein Regen, wenig Wind und kühl, für uns Läufer also perfekt.

Die Anreise, führte zunächst wie versprochen am Designer Outlet in Zweibrücken vorbei. Die befürchtete Shopping – Großoffensive meiner Frau blieb jedoch glücklicherweise aus. Irgendwie hatte ihr wohl das miese Wetter den Spaß verdorben, so dass wir relativ zügig das Areal nach einem Mittagessen, in Richtung St. Wendel verlassen konnten.

Der Marathontag, begann nach einer ruhigen Nacht mit einem leckeren Frühstück. Nach einer aufgrund der Sperrungen, etwas schwierigeren Anfahrt zum Startbereich, kam gleich eine schlechte Nachricht, die Eigenverpflegung wird nicht zu den Verpflegungsstellen gebracht, hieß es von offizieller Seite. So ein Mist, hatte ich doch am frühen Morgen[singlepic id=91 w=320 h=240 float=right] extra noch mein Spezialgebräu zusammen gemixt. Andere Läufer ließen aber nicht locker, so dass am Ende dann doch noch wenigstens eine Verpflegungsstelle angefahren wurde.

Am Start, suchte ich vergeblich meinen Pacemaker für die 3:15h. Die entsprechenden Läufer waren bei diesem Wettkampf nicht wie üblich mit einem orangenen Luftballon gekennzeichnetL. Als dann endlich der Startschuss knallte und die Zuschauer jubelnd am Straßenrand applaudierten war es wieder da…Gänsehautfeeling pur. Los ging’s.

Kilometer 1, als ich noch versuche mein geplantes Renntempo zu finden,  stoße ich plötzlich auf den Pacemaker Heinz, der für die 3:15h zuständig war. Also war nun „Entspannung“ angesagt. Ich musste nicht ständig meine Pace auf der Garmin 305 kontrollieren sondern konnte einfach dem Zugläufer folgen.

Kilometer 6, der gute Heinz ließ es von Anfang an gleich mal ordentlich laufen. Die ersten Kilometer liefen wir in zwischen einem 4:24min/km und 4:28min/km. Einige unserer Truppe die sich Heinz angeschlossen hatte sah man immer wieder mal auf ihre Laufuhren schauen, mich inbegriffen jedoch vermochte keiner was zu sagen. Mein Puls pendelte sich trotz des scharfen Tempos bei 156 Schlägen pro Minute ein, also alles im grünen Bereich.

Kilometer 11, auf den letzten Kilometern hat sich eine Gruppe von 7 Läufern zusammengefunden die sich um dem 3:15h Pacer scharten. Das Tempo wurde zwischenzeitlich ein wenig herausgenommen so dass wir zwar immer schneller als geplant waren aber immerhin uns dem geplanten Renntempo annäherten. Bei Kilometer 10 – 11 waren auch die meisten Zuschauer die uns Läufer super angefeuert hatten. Meine liebste hatte sich ebenfalls in die tobende Menge gepfercht und schoss eifrig Bilder.

Kilometer 16, Aufgrund des kühlen Wetters gab es nur einige wenige „Hotspots“ an denen wir von Zuschauern und Musikkapellen bespaßt wurden, die gaben allerdings alles. Den Rest der Strecke war doch sehr entvölkert und so mussten wir uns unserem Hobby auf weiter Flur alleine hingeben.

Die Hälfte, war zwischenzeitlich in 1:37:20 Std. geschafft, wir lagen also voll im Plan. Unsere Gruppe war auf 6 Marathonis geschrumpft. Heinz gab uns den Tipp, uns noch bis Kilometer 28 zurück zu halten und erst dann, sofern wir uns noch gut fühlten, Gas zu geben.

Kilometer 30, der Marathon ging jetzt gerade so richtig los. Die 3:15h Gruppe war unterdessen auf 4 Läufer  zusammengeschrumpft. Ein weiterer setzte sich soeben ab und versuchte sein Glück in der Offensive, was ihm auch gelingen sollte. Da waren es nur noch 3…. Das Tempo machte mir bis jetzt zum Glück noch keine Probleme, ich fühlte mich gut wollte aber noch nix riskieren.

Bei Kilometer 33 sagt Heinz in seinem Saarländer Dialekt „Du hosch noch was druff…lauf!“ Ich hatte mir aber vorgenommen nicht zu früh die Endbeschleunigung in Angriff zu nehmen, obwohl  das bei den langen Läufen ausgiebig trainiert wurde. Mit einer Pace von 4:34min/km auf dem letzten Kilometer liefen wir einer Zielzeit von 3:14 Std. entgegen.

Kilometer 37, nun war es soweit, wir hatten soeben nochmals eine johlende Menschenmenge und eine Rockmusikkapelle passiert und den Motivationschub für die Schlussphase mitgenommen. Jetzt hieß es Feuer frei. Ich spürte dass noch Reserven da waren und ich wollte die Gunst der Stunde nutzen um das Bestmögliche heraus zu holen. Nun noch einmal die letzte Schleife, noch einmal eine Verpflegungsstelle, bei der ich mir einen Becher Cola genehmigte, noch einmal bergauf und wieder bergab, noch einmal am Bahnhof zwischen den viele Zuschauern hindurch.

Kilometer 42, mit einer unfassbaren 4:14 min/km auf dem letzten Abschnitt legte ich die Grundlage für eine Zeit unter 3:13 Std. Ich kann nicht verleugnen dass ich die letzten 3 km ordentlich mit muskulären Schmerzen zu kämpfen hatte aber ich wusste „der Schmerz vergeht aber der Stolz bleibt!“

Das Ziel vor Augen setzte ich zum Schlussspurt an und finishte am Ende den Marathon in 3:12:52 Std. Wieder war es da, das unbeschreibliche Gefühl etwas erreicht zu haben, [singlepic id=96 w=320 h=240 float=left]was bis vor 5 Monaten  undenkbar erschien. Mit Gänsehaut und voller Stolz stand ich nun im Verpflegungsbereich hinter der Ziellinie und ich sagte mir, Wolle du hast es geschafft. Im Ziel traf auch Heinz den Pacemaker wieder undbedankte mich für seinen guten Job. Der 56 jährige hatte es in 3:14:44 Std. geschafft, nicht schlecht fürs erste Mal als Pacemaker. Claudia hatte sich mittlerweile im Zielbereich positioniert und ich holte mir sogleich das wohlverdiente „Siegerküssle“ ab. Das war wirklich ein Happy Finisch! In diesem Sinne….keep on RunningWolle

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