Es ist Sonntagmorgen, nach dem Frühstück schlurfe ich mit Nutella verschmiertem Mund durch die Küche, schaue mit plattgedrückter Nase aus dem Fenster und was sehe ich da…. genau Regen! Ich denke mir, hey Wolle da war doch gestern was. Genau! Tags zuvor hatte ich wieder mal eine Premiere, die 2. Auflage des Saxoprint PfalzTrail stand auf meinem Wettkampfplan. Also renne ich schnell an den PC  um die Ergebnisse checken. Wow….was sehe ich da! Die 32,4 Kilometerlange Strecke mit 630 Höhenmetern hatte ich in einer Nettozeit von 2:47:27 Std. zurückgelegt, das bedeutete den 1. Platz in meiner Altersklasse M35 und Gesamtplatz 15 von 239 Teilnehmern. Ich lehne mich auf unserem Schreibtischstuhl zurück, schließe kurz die Augen  und lasse nochmals den Samstag Revue passieren……

[singlepic id=330 w=320 h=240 float=right]Plätscher, Plätscher, Plätscher…. Nach der Ankunft in Carlsberg, einem Ortsteil von Hertlingshausen in Rheinland-Pfalz, sitze ich im Daimler und der Regen prasselt auf das Autodach als gäbe es kein Morgen.

Was mache ich hier eigentlich und warum laufe ich einen Trail? In meinen samstäglichen Long Jog wollte in der Vorbereitung zum Frankfurt Marathon  mal ein wenig Abwechslung bringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Trail Running sehr gut für die Entwicklung der Kraft in den Unterschenkeln ist,  auch trägt es  zur Weiterentwicklung der allgemeinen Körperkraft bei. Es zwingt einen, die Knöchel, Füße, Achillessehnen, usw. in einer Vielzahl von Bewegungen zu verwenden. Dies fördert  auch die komplette Entwicklung von Muskelgruppen, was am Ende dann das Risiko von Verletzungen verringern kann. Also warum nicht mal über Stock und Stein?

Bis zur Startnummernausgabe im Bürgerhaus war es ein gutes Stück zu laufen. Na gut, heute würde so oder so kein noch so kleiner Fleck auf meiner Haut trocken bleiben, also was soll`s raus aus der Karre, Rucksack auf und ab in Richtung Start/Ziel.

Nachdem ich mir im Umkleidezelt meine Laufklamotten angezogen hatte und zum ersten Mal in meiner Läuferkarriere meine Startnummer an ein Startnummernband angebracht hatte, hieß es wieder raus in den Regen in die Startaufstellung.

Erste Frage….welches Tempo gehe ich an?  Ich habe keine Erfahrungswerte im Trailrunning aber mein gesunder Menschenverstand sagt mir „reihe dich mal im vorderen Drittel ein und laufe einfach mit“. Gesagt, getan.

[singlepic id=327 w=280 h=200 float=left]Die ersten 3 Kilometer ist es noch flach, sofern man von flach reden kann, bzw. geht es leicht bergab. Bereits nach dem 2. Kilometer zieht sich das Feld ordentlich auseinander. Ich laufe einen 5er Schnitt und werde noch schneller bis 4:49 min/km.  Jetzt beginnt der Spaß, der erste kleinere Anstieg steht an. Auf einem schmalen Pfad geht es durch den Wald, überholen nicht wirklich möglich. Nun ja ich das Tempo ist eigentlich ganz gut und ich möchte ja auch nicht erster werden, sondern nur einen tollen Lauf haben und was Neues erleben. Die folgende Bergab Passage zaubert mir trotz des nicht enden wollenden Regens  ein lächeln ins Gesicht. Weicher Waldboden, Wurzeln und Matschlöcher wechseln sich ab. Ich hätte nicht gedacht dass es so viel Spaß macht.

Doch bei Kilometer 9 weicht mein Grinsen einem weitgeöffnetem Mund der japsend nach Luft hechelt. Es geht zum ersten Mal so stark bergauf dass ich wie viele andere Teilnehmer einige Schritte gehe. Während ich mir noch den Kopf zerbreche wie das hier noch endet, geht es auch schon wieder abwärts und es folgen 4 Kilometer im 4:30er Schnitt. Eigentlich viel zu schnell für einen lockeren Long Jog aber ich habe blutgeleckt und will auf einmal mehr.

Zwischenzeitlich war ich bei Kilometer 15 angekommen und hatte auch schon die erste Verpflegungsstation passiert. Nun folgt im Prinzip ein langgezogener Anstieg bis Kilometer 21 mit kleineren  auf und abs zwischendurch. Meine eigens dafür angeschafften Trailschuhe von K-Swiss Blade-Max Trail leisten sehr gute Dienste. Natürlich hatte ich sie schon im Vorfeld eingelaufen aber jetzt im richtigen Einsatz machen sie richtig Spaß.

[singlepic id=327 w=320 h=240 float=right]Der nächste Downhill steht an und ich sehe plötzlich keinen Läufer hinter mir und auch niemanden mehr  vor mir. Ich lasse es einen Kilometer mit 4:19 min/km richtig laufen….dann spüre ich meine Waden und auch die Oberschenkel machen sich nun bemerkbar. An der dritten Labes Stelle bleibe ich kurz stehen um mich mit einem Stück Banane und zwei Isos zu stärken. Dort treffe auf einen weiteren Läufer mit dem ich das nächste steile Stück gemeinsam in Angriff nehme. Nach kurzer Zeit jedoch fällt er zurück und ich ziehe diese letzte große Bergauf Strecke so gut es noch geht durch, mein Puls rast. Egal jetzt, auf 408 m Höhe angekommen atme ich erst mal richtig durch. In der ganzen Euphorie habe überhaupt nicht bemerkt dass es zwischenzeitlich aufgehört hat zu regnen, wobei man im Wald auch relativ gut geschützt war. Die letzten 8 Kilometer standen nun an und ich mache mir zum ersten Mal Gedanken darüber auf welcher Platzierung ich wohl landen werde… ich hatte mich recht weit vorne eingereiht, habe viele überholt und bin trotz allem eigentlich relativ locker gelaufen, hmmmm…wir werden sehen. An einer weiteren Getränkestation zische ich nochmal ein Iso runter um den Rest gut zu überstehen.

[singlepic id=325 w=320 h=240 float=left]In der letzten Phase des Rennens überhole ich immer wieder Walker die den Quartertrail absolvieren, es sind nette Leute alle machen ausnahmslos an engen Stellen Platz damit ich nicht verlangsamen muss. Dann ist auch der letzte kleine Hügel bei Kilometer 31 geschafft und ich versuche ein letztes Mal moderat fahrt aufzunehmen. Mit 4:53 und 4:42 min/km lasse ich die letzten beiden Kilometer meines 1. Trails hinter mir und genieße den Regenfreien Zieleinlauf nach 2:47:27 Stunden. Zwei alkoholfreie Becher Erdinger später realisiere ich das eigentlich noch gar nicht viele Läufer des HalfTrails im Ziel sind. Mein tolles Ergebnis werde  ich leider erst am nächsten Morgen übers Internet erfahren.

In diesem Moment bin ich aber einfach nur glücklich im Ziel zu sein und ganz ehrlich, ich bereue keine Sekunde dieses Laufs. Eine unheimlich tolle Gemeinschaft sind die Läufer sowieso aber die Trailer setzen noch einen obendrauf. Ob mir der „Trainingslauf“ am 27.10. in Frankfurt zu Gute kommt kann ich heute noch nicht sagen aber eines weiß ich sicher, wenn der PfalzTrail nächste Jahr wieder stattfindet steht RunningWolle auf der Starterliste!

In diesem Sinne….Keep on TrailRunningWolle

 

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