Herbststurm statt Herbstwunder hieß es für mich am letzten Wochenende beim Frankfurt Marathon. Das auf 42 km viel Unvorhergesehenes passieren kann weiß ich und dass ein persönlicher Rekord  deswegen schlichtweg nicht zu 100% planbar ist weiß ich eigentlich auch. Dennoch hatte ich mir ein ambitioniertes Ziel (3:06 Stunden) gesetzt und wollte meine Laufsaison mit dem Erreichen dieses Ziels krönen. Trotz einer guten Vorbereitung ist es mir jedoch leider nicht gelungen. Die Gründe hierfür sind vielfältig und gehen vom technischen Versagen meiner Garmin Forerunner 305 am Start, über verpasste Verpflegungsstände, Übermotivation bis hin zu Sturm und Regen die es auch nicht gerade leichter machten. Der Stachel der Enttäuschung sitzt auch eine Woche danach noch ziemlich tief aber trotz allem war der Frankfurt Marathon eine Reise wert und über diese möchte ich euch heute erzählen.

Anreise – Vorfreude – Vergesslichkeit

Karlsruhe – Frankfurt ist keine Weltreise aber um jeglichem Stress aus dem Wege zu gehen reisten Marcus, ich und unsere Frauen bereits am Samstag an. Doch bereits auf der Hinfahrt sollte das Unglück seinen Lauf nehmen. Trotz doppelt und dreifacher Überprüfung meiner ganzen Laufsachen hatte ich meinen Laufchip (für Nichtläufer, solls ja tatsächlich geben J : damit wird die Zeit gemessen) zu Hause vergessen. Glücklicherweise erst in Bruchsal angekommen, hieß es wieder zurück nach Karlsruhe und Chip holen. Jetzt war alles am Mann und voller Vorfreude fuhren wir nach Frankfurt.

Marathonmesse – Rotlichtviertel – Vapiano

Unser Hotel dasMarcus und ich Carlton (leider ohne Ritz) lag gut 10 Minuten von der Messe entfernt genau im Bahnhof- bzw. Rotlichtviertel, naja der Preis war halt unschlagbar  😉 und es war ja nur für eine Nacht. Auto geparkt, Klamotten aufs Zimmer und dann ab auf die Marathonmesse. Ich kann euch sagen ein Eldorado für jeden Läufer. Zuerst aber holten wir noch kurz die Startunterlagen ab und dann ab ins Getümmel. Ein Triathlonoberteil (Triathlon steht nächstes Jahr auf dem Plan) und welch Wunder ein paar neue Laufschuhe der Firma Alphawoolf nannte ich kurz darauf mein Eigen. Anstatt des eines Stadtbummels verbrachte ich den restlichen Nachmittag entspannt auf dem Bett und zappte durchs Programm. Am Abend sollte es dann obligatorisch in eine Pizzeria gehen, das war einfacher gesagt als getan. Der Fußmarsch in Richtung Freßgass führte uns mitten durch das Rotlichtviertel …. uuuaaahhh…. schnell durch. Nach einem gefühlten Marathon waren wir endlich angekommen aber jetzt wohin? Alles voll! Auf weitere Details möchte ich hier verzichten  😀 … das Ende vom Lied war dann das total überfüllte Vapiano. Egal jetzt, da mussten wir durch. Marcus vernichtete 2 Portionen Pasta und meiner einer verdrückte eine schöne Pizza. Der Tipp ist von Peter Greif, der die Pizza am Vorabend des Marathons als ideale Mahlzeit sieht. Nun aber ging es schnell ins Hotel und ab in die Falle…sogar eine Stunde länger. Zeitumstellung war kein Problem.

Marathonstart – Ölsardinen – kein GPS-Signal

Bei der Startaufstellung trennten sich unsere Wege. Marcus visierte die 3:45h an und ich 3:06 -3:08h. Ca. 25 Minuten vor dem Startschuss lief ich im Asics-Startblock ein und stellte mich hinter die bereits stehenden Läufer. Gedanken ob ich zu weit vorne oder hinten stehe machte ich mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, viel zu viele Eindrücke durchströmten mein Gehirn. Die Hochhäuser, die gesamte Atmosphäre und dann die unfassbare Menschenmengen sammelten sich an, so dass einem fast die Luft zum atmen genommen wurde. Ohne Witz kurz vor dem Start standen wir wie die Ölsardinen, das war echt kein Spaß. Als mich zwei Läufer nach meiner Zielzeit fragten und meine Antwort 3:06 -3:08h mit hochgezogenen Augenbrauen und einem „Aha“ quittiert wurde machte ich mir immer noch keine Gedanken. Dass ich vor mir keinen Zugläufer z.B. 2:59h sehe macht mich zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht stutzig. Die Aufregung steigt, ich bin Motiviert bis in die Haarspitzen. Dann endlich zählt der Sprecher von Zehn rückwärts…gleich geht es los! Ein letzter Blick auf meine Garmin, Puls bei 90, alles gut….. 5…4…3….piep, piep, piep…was war los …? 2…1…Peng! Scheiße meine GPS-Uhr hat das Signal verloren! Nein bitte nicht jetzt…das Feld setzt sich in Bewegung, ich bin jetzt kurz vor der Startlinie und meine Laufuhr funktioniert nicht! Egal ich drücke Start und lasse mich mit dem Feld treiben.

Kilometer 1-5

Es ist wirklich Saueng und ich habe Schiss dass mir einer in die Haken tritt, das passiert zum Glück nicht. Jetzt habe ich also den Salat, meine Garmin spinnt und mir bleibt keine andere Wahl als den Marathon nach Gefühl zu laufen, im Blindflug quasi. Was solls denke ich, es wird schon schiefgehen! Die ersten beiden Kilometer lauf ich das Tempo um mich herum einfach mit, ich fühle mich richtig gut. Zwischen durch versuche ich immer wieder meine Garmin in Gang zu bringen und schaue deswegen mehr auf mein Handgelenk als auf die Strecke und die Zuschauer. So geht das weiter bis Kilometer 5. In der Bockenheimer Landstraße überquere ich die erste „Zeit-Mess-Matte“. Das Ergebnis sehe ich erst Zuhause am PC, 19:25 Minuten nach 5 km…phuuu…das war viiiel zu schnell.

Kilometer 10 – Halbmarathonmarke

Frankfurt Marathon BildIch bin genervt wegen meiner Uhr, das macht mich echt fertig. Ständig nestle ich an dem blöden Ding rum als mich auf den Lauf zu konzentrieren, bin wohl einfach zu sehr darauf fixiert gewesen. Plötzlich…was ist das? Da überholt mich doch ca. bei Kilometer 6 der Zugläufer für 2:59h! Da liegt also der Hase im Pfeffer, spätestens jetzt weiß ich, dass ich es zu schnell angegangen bin. Hoffentlich wird sich das nicht rächen. Ich lasse die Truppe langsam ziehen und hoffe, dass ich das richtige Tempo habe. Weiter geht es… mal links, mal rechts, dann wieder der Blick auf meine Uhr…keine Chance da passt garnix zusammen. Die Zehnermarke lasse ich nach 40:27 Minuten hinter mir, immer noch laufe ich viel zu schnell doch zu diesem Zeitpunkt weiß ich das noch nicht. Nach einer guten Stunde und 15 gelaufenen Kilometern fängt es dann zu regnen, als wäre der Wind nicht schon Strafe genug. Schuhe, Socken und Füße sind nach kurzer Zeit nass…patschnass. Da hast du so richtig deinen Spaß. Die Halbmarathon-Zeit-Mess-Matte offenbart mir zum ersten Mal eine Zwischenzeit. 1:31:34 Stunden zeigt mir die Digitaluhr an. Leider habe ich kein Armband mit meinen Durchgangszeiten aber wenn ich das hochrechne wäre meine Zielzeit 3:03h, also bin ich eindeutig zu schnell unterwegs.

Halbmarathon – Ziel

Der Rest ist eigentlich schnell erzählt. Ich laufe die Kilometer vom Halbmarathon bis KM 25 zum ersten Mal im annähernd richtigen Tempo (4:25min/km), doch ist es eigentlich schon zu spät. Als nächstes verpasse ich aus Gründen dich ich heute auch nicht mehr richtig nachvollziehen kann die wichtige Verpflegungsstelle bei Kilometer 30…. Echt zum heulen. Meine eigenen Gels sind inzwischen aufgebraucht und ich nehme mir bei der nächsten Verpflegungsstelle gleich zwei mit und drücke mir das Zeug rein als gäb es kein Morgen…ich trinke Cola…ich gehe beim trinken, das gab es noch nie. Es war zu spät, der Mann mit dem Hammer erwischt mich bei Kilometer 34 und ich breche ein. Ich Fluche und kann es einfach nicht fassen. Mehr als ein 5er Schnitt ist nicht mehr drin. Ich muss Gehpausen einlegen, stehen bleiben um Krämpfe aus zu dehnen. Am liebste würde ich vor Wut schreien. Ich biege nach 40 Kilometern in die Freßgass ein und die Zuschauer johlen, jubeln und feuern alle Läufer an, aber ich kann es nicht genießen, meine Beine schmerzen unvorstellbar. Ich kann 600 Meter laufen bis der nächste Krampf im Oberschenkel mir jegliche Hoffnung auf eine Zeit unter 3:10 Stunden nimmt.

Die letzen beiden KiHammer1lometer laufe ich wie im Tunnel, ich nehme kein Zuschauer mehr war, das Finale über den Roten Teppich in der Festhalle dass einem eigentlich Gänsehaut verleihen sollte lässt mich fast kalt. Ein Blick auf die Uhr über dem Zielbogen verrät mir eine Bruttozeit von 3:15:03 Stunden. Die Arme gehen kurz hoch, ich überquere die Ziellinie. Ein Blick nach links, einer nach rechts, nein ich kann einfach nichts genießen. Völlig fertig hole ich mir die Medaille ab nehme mir eine Wärmefolie und gehe zur Zielverpflegung. Nach 2 Bananen und ein paar Isodrinks bin ich wieder einigermaßen hergestellt.

Mit meinem Kleiderbeutel in der Hand gehe ich zu den Duschen und lasse mir fast 5 Minuten das wohltuend warme Wasser auf mich niederprasseln. Der Frankfurt Marathon auf den ich mich so freute, so viel trainierte, so viele Opfer brachte endete für mich in einem gefühlten Desaster.  Ich bin wütend auf mich, auf meine Garmin 305, auf den Herbststurm, auf einfach alles….

Inzwischen ist ja nun eine Woche vergangen, die Wunden sind geleckt, die Enttäuschung ist der Vorfreude auf das nächste Jahr gewichen, denn das Losglück hat nämlich zugeschlagen, Marcus und ich wurden bei der Startplatzverlosung  für den Berlin – Marathon 2014 gezogen  und erfüllen uns somit einen kleinen Traum. Wenn alles klappt und ich gut trainieren kann und gesund bleibe könnte in Berlin mein großes Ziel, die 3 Stunden-Marke zu knacken, in Erfüllung gehen.

In diesem Sinne…Keep on RunningWolle

 

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