Ihr werdet euch sicherlich fragen, was will er denn jetzt??? Und warum vergleicht er den bitte ein Tanzmariechen mit einem Marathonläufer?  Auf den ersten Blick erscheint es unsinnig, beim genaueren hinsehen offenbaren die beiden Sportarten jedoch mehr Gemeinsamkeiten als man denken möchte.

Tanzmariechen

Rückblick: Es ist Samstagnachmittag 16:38 Uhr. Ich sitze seit heute Morgen um Sieben in einer Sporthalle irgendwo im Nirgendwo. Laut meinem Trainingsplan steht am Samstag eigentlich immer der Lange Lauf über 30-35 km an, heute jedoch nicht! Das liebste Hobby meiner Töchter führt mich vielen weiteren Fans der Holzbiere heute an diesen Ort. Seit einer gefühlten Ewigkeit sitze ich nun auf einem mehr oder weniger bequemen Stuhl und bin mit dem November Runner`s fast durch.  Fast durch.. ist das Stichwort! Ich drehe fast durch, denn im Moment tanzt vor mir auf der Bühne das 40ste von 44 Tanzmariechen welche am Ende schließlich den 39. Platz erringen wird! Um ehrlich zu sein nehme ich sie nicht mal richtig war…Gut 3 Stunden sind seit der ersten Starterin vergangen und die gut 4 Minuten lange Marschmusik klingt spätestens nach der 20. Akteurin irgendwie immer gleich. Die Elemente wie Rad, Spagat usw. unterscheiden sich eigentlich nur durch die Abfolge…naja … natürlich auch durch die Präzision mit der die Übungen ausgeführt werden aber irgendwie ist doch alles gleich.

vs

Während ich die letzten Zeilen meines Artikels im Runner`s lese, werfe ich einen kurzen Blick über die Zeitschrift,  es ist soweit, die Musik ist zu Ende und das junge Mädchen hat mit einem Bogengang ihren Tanz beendet.  Sie steht da und hält immer noch die Spannung in Ihrem Körper, total außer Atem und mit dem Wissen alles getan zu haben was ihr möglich war. Sie blickt erwartungsvoll ins Publikum und zur Jury die gleich die Wertung für ihre Darbietung abgeben wird. Ich applaudiere nicht…hab ja mein Runner´s in der Hand…hmmm anscheinend haben fast alle was in der Hand,denn es kommt nur zu einem sehr spärlichen Beifall. Es müssen die Trainerin und vielleicht noch ein paar mitgereiste Fans gewesen sein, die der Sportlerin applaudieren. Was ist mit dem Rest? Ja der Rest trinkt Kaffee, kommt gerade von einem Spaziergang an der frischen Luft oder liest das Runner´s.

Ich frage mich warum tut sie das? Sie ist 9 Jahre alt vielleicht auch 10 oder 11… Ich frage mich wirklich woher nimmt denn dieses Mädchen die Motivation für das zusätzliche Training? Während ihre Klassenkameradinnen im Sommer bei 30°C im Freibad liegen, schwitzt sie stundenlang in der Turnhalle…. zwei Mal die Woche 3 Stunden Training in der Gruppe ist wohl Standard,  vor Turnieren oder Meisterschaften kommt nicht selten ein Trainingswochenende hinzu, also Samstag und Sonntag jeweils ca. 6 Stunden. Als wäre das nicht genug, so kommt für ein Tanzmariechen mindestens eine extra Trainingseinheit mit Akrobatik und eine weitere um die Choreographie zu lernen hinzu….Geburtstage von Freundinnen abseits ihres Sports werden  sowieso nur besucht wenn grad kein Training oder eines der vielen  Turniere ist. Und jetzt, ja jetzt wird sie 39sgte von 44!!!!….Sie könnte doch Samstagnachmittags einfach Zuhause mit Ihren Freundinnen sein? Etwas spielen, vielleicht Fernsehen oder sonst was…einfach anders Spaß haben?

Ja… Spaß hat hat sie, und zwar genau jetzt und hier! Sie will genau das, was sie in diesem Moment tut. Sie will das tun was ihr Spaß macht, was ihr Freude bereitet, wofür sie so lange und hart trainiert hat, worauf sie sich so sehr gefreut hat, das ist ihr Sport, er erfüllt sie und macht sie einfach glücklich, genau das will sie und deswegen ist sie heute hier und steht vor mir auf der Bühne. Tatsächlich plagt mich jetzt mein schlechtes Gewissen …ich lege das Heft zur Seite und klatsche in die Hände, das hat sie einfach verdient!

Marathonläufer

Ich denke bei uns Läufern ist es dasselbe. Monatelanges Training liegt hinter einem, hunderte, ja tausende Kilometer werden abgespult, zich Einheiten mit Kräftigungsübungen sind absolviert, Laufschuhe wurden verschlissen und so mancher Hund ist einem hinterher gejagt. Wofür? Es gibt Zieleinläufe da klatschen wenn überhaupt 3 Leute… aber trotzdem bist du Stolz auf das erreichte. Anerkennung tut sehr gut doch den Sport den wir uns ausgesucht haben machen wir doch schlicht und ergreifend doch nur für uns, ob nun Mariechen oder Läufer wir tun es weil es uns Spaß macht. Mein Schwiegervater zum Beispiel frägt mich oft: „warum tust du dir das an? Warum läufst du bei Kälte, Nacht und Nebel durch die Gegend? Du könntest doch in der Zeit etwas anderes tun,“ sagt er. Ich schmunzle und sage ihm immer wieder dass ich aber nix anderes machen möchte. Es ist genau das was ich tun will, natürlich nicht immer bei Nacht und Nebel aber das gehört halt auch dazu. Da bleibt natürlich noch die Frage nach der Motivation für das Zeitintensive Training bei Nacht und Nebel, bei Hitze oder Regen, früh morgens oder spät abends, ja wie motiviert man sich da. Das ist sicher von Mensch zu Mensch unterschiedlich, einen enormen Motivationsschub hat mir z. B. der „verpatzte“ Frankfurt Marathon gegeben. Man will es beim nächsten Mal einfach besser machen und allen Zeigen was man wirklich drauf hat.

Frankfurt Marathon BildApropos: Der Frankfurt Marathon sollte das Jahres Highlight 2013 sein. Dass ich am Ende mit meiner Starnummer 8658 den 1.416 Gesamtplatz von insgesamt 11.009 Finishern erreicht habe interessierte die Weltöffentlichkeit genauso wenig wie meine Krämpfe bei Kilometer 38 – 42. Doch die Erfahrung die ich bei diesem Rennen gesammelt habe war für mich persönlich im Nachhinein so viel mehr wert als irgendeine Platzierung. Das Erlebnis, die Atmosphäre vor dem Start, während dem Rennen und im Ziel war einfach unbeschreiblich. Und damit sollte das Thema Frankfurt nun auch endlich abgehakt sein. 😀

Das meine Erwartungen für jenen Marathon im Oktober nicht so ganz erfüllt wurden, ich aber bei einem völlig beiläufigem Traillauf in der Pfalz, der eigentlich nur ein alternatives Training in der Marathonvorbereitung sein sollte, mal ganz „nebenbei“ einen Altersklassensieg errungen habe, war für mich eine riesen Freude und gleichzeitig die Motivation für die unzähligen Trainingskilometer, die bis zum Frühjahr wieder auf mich warten. Das schöne ist am Ende etwas geschafft zu haben, worauf man so viele Monate hintrainiert hat. Diese Momente sind es die einem einfach keiner mehr nimmt und dabei ist es egal ob nun Tanzmariechen oder Marathonläufer.

Gemeinsamkeiten? Ja, es gibt tatsächlich viele…doch die wichtigste ist letztlich der Spaß  an der Freude beim ausüben unseres Sports egal ob du 3, 40 oder 70 Jahre alt bist….in diesem Sinne Keep on RunningWolle

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