Vielen Menschen fällt es sehr schwer sich zum Sport aufzuraffen bzw.  kostet es  sie sehr viel Überwindung. Meiner Lieben Frau Gemahlin erging es ebenso. Eines Tages jedoch hatte sie endlich den Sport gefunden für den sie sich begeistern und motivieren konnte. Eines Abends am Vespertisch kam die Offenbarung…“Schatz ich geh am Montag ins Boxen“…Rummmsss…der hatte gesessen! Der Satz traf mich wie ein Schwinger vom Klitschko. Naja…irgendwie hatte ich mir da was anderes vorgestellt…?? Laufen vielleicht??  🙂 Aber es half nichts, sie war nicht mehr davon abzubringen. Die Tage und Wochen vergingen, zweimal die Woche montags und mittwochs war Claudi nun beim Polizeisportverein in der Sporthalle zu finden. Einmal kam sie sogar mit einem Veilchen heim, ihr Sparringspartner hatte sich verschätzt..naja Berufsrisiko  🙂 Doch sie hatte richtig Spaß dabei und beileibe sogar Talent…ohne Scheiß, manchmal tänzelte sie abends um mich rum und versetzte mir nach einem Täuschungsmanöver einen Leberhaken….autsch! Die Kondition wurde immer besser und die Pfunde purzelten. Sie war zufrieden und glücklich!

Doch es kam wie es kommen musste…Bandscheibenvorfall zwischen Halswirbel 5 und 6. Der Traum war aus und vorbei! Tränen flossen…sie tat mir richtig leid. Bei einer OP wurde ihr eine Prothese eingesetzt und an Boxen war nicht mehr zu denken.

Die Wochen, Monate und Jahre vergingen, ich selbst hatte nach Faustball, Fußball, Tennis mit Mitte dreißig mein Heil im Laufsport gefunden. Aus der anfänglichen Skepsis meiner Frau über mein tun, entstieg Bewunderung ob dem Durchhaltevermögen, der Motivation und meiner Ziele. Ich sagte zu ihr komm doch mal mit zu einem Volkslauf und schau dir den ganzen Zirkus mal an. Gesagt getan…der Startschuss beim Rheinzaberner Osterlauf war zugleich der Startschuss in Ihrem Kopf. Wieder Zuhaus sagte sie mir dass sie am liebsten die Laufschuhe angezogen hätte und mitgelaufen wäre.

Zeitsprung!

Claudi & Wolle

Wir schreiben  den 13. April 2014 und gemeinsam mit meiner Frau stehe ich am Start des 27. Neureuter Volkslaufs. Mit vier weiteren Mitgliedern, des 2011 von meinem Freund Marcus ins Leben gerufenen Chicken Express Running-Teams, hatte sich Claudi vorgenommen ihren ersten 5 Km Volkslauf zu absolvieren. Auch Dana und Andrea die über Ihre Männer zum Laufen gekommen waren hatte heute ihre Premiere. Die Aufregung bei den Neulingen war groß. Auch Claudi hatte mehrmals ihre Sorge geäußert. Natürlich gingen dem Volkslauf einige Trainingsstunden im Oberwald, am alten Ami-Flughafen und auf dem Laufband voraus. Diese waren allerding gepickt von Höhen und Tiefen.  In Erinnerung bleibt mir persönlich der erste 3 Km Lauf den wir nach 35 Minuten beendeten. Tränen der Anstrengung, der Rührung über das Vollbrachte waren geflossen. Darauf folgten dann aber der Stolz und die „Jetzt-erst-Recht-Reaktion“!Der Chicken Express

Nun aber hallte der Startschuss vor dem Vereinsgelände des TuS Neureut und wir liefen frei nach dem Motto „Hinten ist´s am schönsten“. Das Claudi und ich heute mit sicherer Wahrscheinlichkeit die letzten Plätze belegen werden war eigentlich klar, von da her war nur durchhalten und ankommen angesagt. Keine Zeitvorgabe! Gut regeneriert stürzten wir uns also in den 1. Kilometer welchen wir in eigentlich zu schnellen 7:23 Minuten absolvierten. Ich hätte es besser wissen müssen aber es ist halt immer das gleiche, am Anfang ist die Zurückhaltung schwer. Den Anschluss an das Ende des Feldes hatten wir schon fast verloren aber noch hatten wir Sichtkontakt :-). Während des 2. Kilometers machte sich bei Claudi der „Sprint“ auf dem ersten Abschnitt schon leicht bemerkbar…ihr Herz raste.

Claudi

Ich redete auf sie ein langsamer zu laufen, das Ziel war ja ankommen und nicht irgendwelche Zeitvorgaben die einem so im Kopf rumgeisterten (unter 40 Minuten). Nach weiteren 8:11 Minuten passierten wir das Kilometerschild 2. Jetzt begann der Spaß so richtig. Die ersten 10 KM Läufer überholten uns von hinten…Claudi faste sich ans Herz…“ich weiß nicht ob das schaffe“. Ich beschwor sie noch langsamer zu laufen und erst mal wieder zu Atem zu kommen. Nach einer kurzen Gehpause nahmen wie wieder Fahrt auf.

Gerade noch voller neuer Energie und Kilometer 3 angekommen, stand uns plötzlich die Brücke über die B36 bevor. Strammes gehen war in diesem Fall die bessere Variante. Am Scheitelpunkt angekommen ließen wir es auf der anderen Seite wieder locker bergab rollen. Dann ginge es rechts ab ins Tiefgestade. Plötzlich machte sich bei Claudi die Bandscheibe wieder bemerkbar…Kribbeln in den Händen und immer wieder taube Füße, sie kämpfte und die richtigen Worte der Motivation zu finden. Irgendwie war dann nach weiteren 8:33 Minuten auch der vierte Kilometer geschafft. Ich versuchte es mit Sätzen wie „Stell dir vor du läufst auf der Zielgeraden und alle Leute jubeln dir zu…du schaffst es“! Den letzten Kilometer würde sie auf jeden Fall schaffen da war ich mir sicher, wenn sie eines hat dann ein Kämpferherz.

Dann aber kam das uVLNnvermeidliche, der letzte Anstieg aus dem Tiefgestade hinauf auf die Straße und damit die letzten Meter bis zum Ziel. Noch einmal ließen wir Fünfe gerade sein und gingen das steile Stück. Der Fotograf vom Laufreport hat diesen Moment für die Ewigkeit festgehalten und in seinem Bericht das Foto kommentiert 🙂 . Ich sags ja…die meiste Aufmerksamkeit bekommen immer die ersten und die letzten.

Nun aber war es so gut wie geschafft und Claudi lief noch ein letztes Mal an, so auf die Art „Seht her ich hab´s geschafft. Ich bekomme in diesem Moment Gänsehaut…denn dann kommt es tatsächlich so wie man es sich in seinen Kühnsten Träumen vorstellt. Die Zuschauer applaudieren und jubeln uns beide letzten 5 Km Läufer zu. Auf der Zielgraden ist es dann soweit…von weitem schon zu hören…pfeifen, schreien und jubeln und unsere Freunde vom Chicken Express die sich bereits seit geraumer Zeit im Ziel tummeln zu. Ein Schnappschuss vom KA-News Fotografen verewigt meiner Frau und mir diesen einmaligen Moment. Erhobenen Hauptes und nach glanzvollen 41:07 Minuten laufen Claudi und ich als 94ste und 95ster durchs Ziel.vor dem Ziel

In Worte kann ich es nicht ausdrücken wie Stolz ich auf meine Frau bin, ich habe mit eigenen Augen gesehen wie sie Rotz und Wasser geschwitzt, Schmerzen überwunden, und das bis vor einem halben Jahr noch undenkbare geschafft hat. Im Ziel nehmen uns Dana, Andrea, die heute ebenfalls Ihren ersten Fünfer erfolgreich bestritten hatten, Marcus und Uwe gebührend in Empfang. Ein tolles Erlebnis, welches am nächsten Tag für Claudi mit einem schönen Muskelkater quittiert wurde, ging zu Ende. Zu erwähnen sind natürlich bzw. insbesondere die Leistungen  von Dana und Andrea. Mit einer Zeit von 28:25 Minuten blieb Andrea, die von ihrer besseren Hälfte Uwe zur Höchstleistung gepeitscht wurde, deutlich unter der 30 Minutenmarke. Hut ab mit den paar Trainingseinheiten 🙂 . Auch bei der First Lady Dana die mit samt Ehemann nach 30:59 Minuten den Lauf finishte war die Freude groß.Volkslauf Neureut 2014

Der Neureuter Volkslauf wird uns allen sicherlich noch lange in guter Erinnerung bleiben und im nächsten Jahr werden wir zurück kommen und unserm Beinamen „Express“ versuchen alle Ehre zu machen.

In diesem Sinne…..Keep onRUWO.gif

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