Die Regensburger Domspatzen haben beim Zieleinlauf des 23. Regensburger Marathons zwar nicht für mich geträllert aber die Zuschauer, der Sprecher und das Zentralgestirn bereiteten mir und auch allen weitern Läufern einen unvergesslichen Gänsehaut-Empfang. Die Reise zum diesjährigen Frühjahrsmarathon verschlug Marcus und mich in die „nördlichste Stadt Italiens“…genauer gesagt nach Ostbayern in die Castra Regina auch Regensburg genannt. Was in Regensburg gibt es einen Marathon denken jetzt viele? Ja, gibt es! Zwar haben uns die Eisheiligen am Samstag vor dem Lauf ein paar Frostbeulen eingebracht aber nicht umsonst haben wir dieser Veranstaltung den Vorzug vor den großen Marathons in Hamburg, Düsseldorf oder Hannover gegeben. Nach der Reizüberflutung beim Frankfurt Marathon letzten Herbst, sollte es diesen Frühling etwas ruhiger zugehen.

Nachdem ich die Marathonwettkampfliste einige Male rauf und runter gelesen hatte blieb ich dann irgendwann beim Regensburg Marathon hängen. Der Termin hatte gepasst, eine schöne und flache Laufstrecke durch die Altstadt am Dom vorbei, kurze Wege vor Ort und ein überschaubares Starterfeld mit 500-600 Marathonis und ca. 2500 Athleten die den Halbmarathon laufen runden das Event ab. Das war genau das was wir suchten. Gebucht!

Den Samstag verbrachten Marcus, Dana, Claudi und mit der Anreise, der Startnummernabholung und einem kurzen Rundgang über die „Marathonmesse“, welche im Vergleich zur Marathon Messe in Frankfurt einem Tante-Emma-Laden glich (aber das wollten wir ja 🙂 ). Den Stadtbummel durch die Altstadt beschränkten wir aufgrund der gefühlten Minustemperaturen auf das nötigste und schlossen den Tag mit einem gepflegten Kalbsschnitzel mit Bratkartoffeln im Regensburger Ratskeller ab.

Sonntagmorgen 5:45h….gut geschlafen…klarer Himmel…perfektes Läuferwetter! Wow denke ich, alles läuft nach Plan. Nach einem guten Frühstück machten wir uns mit dem Taxi auf den Weg zum knapp 3 km entfernten Start…alles ganz entspannt. Noch schnell ein paar Fotos geknipst, die Lage im Startbereich gecheckt und ab ging´s zum lockeren Einlaufen. Das schöne an so einer Veranstaltung sind die kurzen Wege, sei es Toiletten, Kleiderbeutel abgeben oder das einreihen in die Startaufstellung, alles ist binnen weniger Momente zu erledigen.

Es waren noch gut 10 Minuten bis zum Start als Marcus und ich mich in die Startaufstellung des Startblocks A einordneten. „Marcus, was ist dein Ziel?“ fragte ich, „Spass haben und unter 4 Stunden ankommen Baby“, so die Antwort von Mr. Chicken Express. Was anderes hatte ich eigentlich auch nicht erwartet. Gegenüber zum Frankfurt Marathon (ist jetzt irgendwie mein Feindbild geworden) wollte ich entspannt und locker bleiben, ein Ziel vor Augen ja aber nicht um jeden Preis. Der Spaß sollte bei allem Ehrgeiz nicht verloren gehen. Zwischen 3:05 –und 3:08 Stunden sollten auf jeden Fall machbar sein. Mit einer durchschnittlichen Pace zwischen 4:23 – 4:27 min/km sollte ich eigentlich sicher und ohne den Mann mit dem Hammer ins Ziel kommen….so der Plan.

Als der Startschuss knallte fiel mir als erstes ein, dass ich mir die Durchgangszeiten nicht notiert hatte. Nach meinem Dilemma mit der GPS-Uhr vom letzten Jahr wollte ich auf keinen Fall denselben Fehler machen….aber Zack…der 1. Kilometer verstrich in 4:15 Minuten! Scheiße! Das kann doch nicht sein dachte ich….Wolle was machst du? Vom Gefühl her lief ich schon langsam aber 4:15 min/km war eindeutig zu schnell, stimmt meine Laufuhr?

Mit 4:15 – 4:23 – 4:20 – 4:17 -4:17 auf den ersten 5 Kilometern war ja eigentlich wieder zu schnell unterwegs. Ich fühlte mich aber echt stark und das Wetter, die Zuschauer in der Innenstadt, die gesamte Atmosphäre peitschten mich immer weiter voran. Außerdem hatte mir Peter Greif doch in meinem Trainingsplan eine Zielzeit zwischen 2:59h und 3:07h „prophezeit“, es musste doch also endlich klappen.

Weiter ging es Richtung Osten von Regensburg zur Continental Teststrecke auf der eine Runde gedreht werden musste. Meine Pace hatte ich wieder nicht im Griff, ich wollte immer langsamer laufen….aber …aber. Mit Kilometerzeiten von 4:09 – 4:24 – 4:24 – 4:20 und 4:21 min/km überlief ich nach 43:11 Minuten die 10Km Matte und bat unseren Herrn im Himmel um Vergebung meines Übermuts.

Nach dem Stoßgebet führte uns die Strecke wieder zurück Richtung Start/Ziel, vorbei an der steinernen Brücke und am Dom. Bei Kilometer 14 lief ich auf die bis dahin 3. Frau auf und lief für ein paar hundert Meter ihr Tempo mit. Immer noch hatte ich das Gefühl das zügigere Tempo beibehalten zu müssen und ließ die Dame hinter mir. Nach 21:42 Minuten waren dann die nächsten 5 KM Vergangenheit.

Nun lag der Focus auf der Halbmarathonmarke, dort bei Start/Ziel warteten unsere Frauen mit Fotoapparaten bewaffnet sehnsüchtig auf uns. Zwischen Kilometer 18 tauchte plötzlich hinter mir das Fahrrad auf mit der 3. Frau im Marathon…??? Hmmm….??? Die hatte ich doch vorher versägt! Nein das war sie nicht, es gab einen Wechsel bei den Frauen und die aktuelle 3. Frau hatte deutlich mehr Tempo drauf als ihre Vorgängerin. Sollte ich mich dranhängen? Kraft hatte ich und ich fühlte mich unschlagbar, eigentlich alles perfekt…die Marathonläufer unter euch ahnen wahrscheinlich bereits was kommen wird aber gut, ich bleib einen Kilometer lang dran. Auf meine Frage an die Liebe wie denn Ihre geplante Zielzeit ist, erhielt ich nur ein verdutztes Kopfschütteln gespickt mit einem verächtlichen Blick der sagen möchte…“Hey du Pimpf, zisch ab und lass mich in Ruh“. Naja was wollte ich auch damit anfangen…Spaß haben, was machen was sonst keiner macht…keine Ahnung. Ich ließ sie dann aber auch ziehen denn für einen 4:15er Schnitt war selbst ich zu realistisch. Das wär wohl richtig in die Hose gegangen!

Nach 1:32:45 Std. schickte ich Claudi einen Handkuss an den Straßenrand…Ein Blitzlichtdauerfeuer schlug mir Ihrerseits entgegen.

Hochmotiviert und voller Elan ging es nun auf die 2. Runde. Die Halbmarathonis hatten sich verabschiedet und die Straße war fast wie leer gefegt. Hatte man auf der ersten Runde noch viele Läufer um sich, so war man auf der 2. Hälfte oft über lange Strecken alleine auf dem Weg, zumindest bei meiner geplanten Zielzeit.

„einen Marathon mit so viel Spaß und Dauergrinsen im Gesicht hatte ich noch nicht“

Erneut ging es in Richtung Altstadt und bislang war ich ohne Beschwerden. Mein Liquid Energy nahm ich wie vorgeschrieben um später bloß nicht in Schwulitäten zu kommen. Die Kilometer verstrichen in 4:21 -4:21 – 4:26 – 4:24 – 4:17 min/km. Es war zwar noch etwas früh aber wenn nichts Gravierendes dazwischen kommen würde dann….ja dann…uiuiui, leichte Gänsehaut überfiel mich. Noch einmal die Geniale Stimmung rund um den Dom mitgenommen, das Kopfsteinpflaster überstanden, die Musik von den Rockbands um die Ohren brettern lassen und noch einmal das Rund der Continental Teststrecke mitgenommen kam ich bei KM 33 an. Was musste ich da feststellen? Ohne dass ich große Probleme gehabt hätte zeigte mein Garmin auf den letzten 1000 Metern einen 4:32er Schnitt an. Was war los? Nein bitte nicht! Es war doch alles so schön…einen Marathon mit so viel Spaß und Dauergrinsen im Gesicht hatte ich noch nicht……bitte …bitte nicht.

Bis Kilometern 38 konnte ich zwar noch einigermaßen gut und ohne Krampfandeutung laufen aber das Anfangstempo war nicht mehr drin. Ich wurde langsamer…. Die Zuschauer die einen immer wieder mit Anfeuerungsrufen und Applaus aufmunterten helfen um ehrlich zu sein ab einem bestimmten Punkt auch nicht mehr weiter. Man ist allein mit sich selbst und kämpft gegen die Schmerzen und die Krämpfe an. Ich kämpfte mich noch durch bis KM 40, ab da war dann nicht mehr viel zu holen. 5:01 min/km für den 40sten Kilometer war nicht das was ich mir erhofft hatte aber jetzt durfte ich nicht in Trübsal verfallen sondern ich wollte den Marathon bis zum letzten Schritt genießen wenn auch auf der letzten Rille aber ich wollte erhobenen Hauptes durchs Ziel.

In beiden Waden kündigten sich nun sehr deutlich die Krämpfe an, eine falsche Bewegung und ich wusste ich muss stehen bleiben. Mir bleib nur eins Tempo raus nehmen, lächeln und laufen. Im 5:21er und 5:22er Schnitt meisterte ich noch die letzen beiden Kilometer. Dann der Moment auf dann aller Marathonläufer warten und der einen für die letzten schweren Kilometer entschädigt. Ich bog rechts ab auf die Zielgerade, die links und rechts gesäumt von Zuschauern war.

Die letzten 200 Meter, ich sehe meinen Schatz auf der linken Seite und lächle noch einmal kurz in die Kamera, dann höre ich den Sprecher meinen Namen rufen, die ganze Last fällt plötzlich ab, ich trabe locker und falle sogar ins gehen.

Ich reiße die Arme in die Höhe, da ist er der Moment den man einfach nicht Beschreiben kann….Dass ich eine neue Bestzeit gelaufen bin (wenn auch nur um eine Minute), spielt heute und in diesem Moment einfach keine Rolle. Ich hab´s geschafft! Nach 3:12:04 Stunden bleibt meine Uhr stehen. Eine junges Fräulein hängt mir die schöne Medaille um….das war`s und ich bin einfach nur noch glücklich.

Marcus hatte sich ja für 12:30 Uhr im Ziel angekündigt, also um die 4 Stunden. Umso überraschter waren wir dass der Wahnsinnskerl nach 3:30:03 Stunden über die Ziellinie lief. Die 3:30h hatte er sich doch erst für Berlin vorgenommen. Hut ab mein Freund!

Der Regensburg Marathon bekommt von mir 4 Mal „JA“!

Hatte ich Spaß? – JA

Bestzeit gelaufen? – JA

Wäre mehr drin gewesen? – JA

Würde ich den Regensburg Marathon wieder laufen? – JA

In diesem Sinne…..Keep on RunningWolle

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