Nein die Wechselzeiten interessierten mich bei meinem ersten Triathlon nicht wirklich. Der 9. Triathlon in Rheinstetten, war mein erster offizieller Triathlon. Ein schon lange gehegtes Vorhaben ging damit nun auch in Erfüllung. Nach einigen  Marathons und Duathlons kam nun auch endlich mit dem Schwimmen die 3. Disziplin beim Wettkampf hinzu. Laufen ist bei mir ja zwischenzeitlich schon in Fleisch und Blut übergegangen und dank meiner seit 7 Wochen anhaltenden Entzündung der Plantarsehene kam das Radfahren in letzter Zeit auch nicht zu kurz. Die Schwimmerei allerdings…ich kann euch sagen …mein lieber Herr Gesangsverein! Triathlon Anfänger halt 🙂

Wir schreiben den 13. Juli 2014. Es ist 8Uhr als ich mich in die Schlange vor dem Vereinsheim der Sportfreunde Forchheim stelle um meine Startunterlagen abzuholen. Die heilige Nr. 87 wurde mir zu teil. Mit den Unterlagen ging es im Anschluss dann gleich zum Zelt vom Sportfreund, an dem mich der spätere Sieger des Triathlons Christoph Gerhard in Empfang nahm. Bei ihm hatte ich vor einigen Wochen einen Leih – Neoprenanzug vorbestellt. Die 50.- Gebühr klingen zwar recht happig aber den Velocity V3 von 2XU für knapp 600.- EUR zu erwerben war anlässlich der diesjährigen Kommunion unserer kleinen Tochter, zwei neuen Kinderzimmern, einem neuen gebrauchten Rennrad, mehreren Paaren Laufschuhe auch keine Option  🙂 Sicherlich hätte ich bei  knapp über 20°C Wassertemperatur auch ohne starten können aber auf die gute Wasserlage, die einem der Neo verleiht, wollte ich als Schwimmnovize auch nicht unbedingt verzichten. Weiter ging es in Richtung Epplesee zur Schwimm – Rad- Wechselzone. Nach einem kurzem Bike-Check, brachte ich mein Gefährt in die Wechelszone. Beim Eintritt in die selbige wurde noch der Helm sowie der ordnungsgemäße Zustand des Rennrads überprüft, danach hieß mit Helm auf hinein in die Wechselzone. Mein Plätzle fürs Rad hatte ich nach kurzzeitiger Verwirrung zwar gefunden, doch wie stelle ich meinen Bock nun dahin? Es gab hier leider kein „Gestänge“ an dem man das Rad hätte einhängen können. Die meisten legten dann ihre Räder einfach in die Wiese. Doch da fiel es mir wie Schuppen von den Augen…kleinere und größere Rindenstücke lagen in der Wiese. Das Resultat siehe Foto 🙂

Nachdem dann endlich alles „ordnungsgemäß“ präpariert war verließ ich die Wechselzone in Richtung Familienwiese am Epplesee. Meine Frau, die sie für dieses denkwürdige Ereignis extra früh aus dem Bett geschält hatte (danke Schnuffel :-)), begleitete mich auf dem Weg dahin. Nach einem kurzen Briefing der Athleten ging es schließlich im Tross zum Schwimmstart auf der gegenüberliegenden Seite.

Jetzt war es endlich soweit, nach einem kurzen wiedersehen einer Teilnehmerin vom Schnuppertriathlon am Karlsruher Rheinhafen, knallte der Startschuss und es ging rein in den See. Zwischen 12 und 15 Minuten hatte ich ohne Wechsel fürs Schwimmen eingeplant. Im wohlig warmen und klaren Hallenbad hatte ich ja schon gute Fortschritte in Sachen Kraulschwimmen gemacht aber…ja aber hier und heute war das ganz was anderes. Wettkampf, Adrenalin, Emotionen…Wie beim Laufen, so war das auch beim Schwimmen, nach 100 Metern war das Pulver verschossen und ich wechselte vom Brust- über Seiten- zurück zum Kraulschwimmen. So ging das bis zum Schwimmziel. Kaum hatte ich wieder Boden unter den Füßen blickte ich kurz zurück um zu sehen ob ich letzter war oder nicht. Zu meinem Erstaunen kämpften sich immer noch viele Teilnehmer durch ihre „Lieblingsdisziplin“. Mein Herz schlug wie verrückt und versuchte nun erstmal etwas runter zu kommen. Eine Schwimmzeit hatte nicht, da ich meine Garmin erst ab dem Radfahren im Einsatz hatte, aber meine Frau sagte mir nach dem Rennen dass ich schon nach 9 minuten aus dem Wasser kam. Wow…was so ein Neoprenanzug alles ausmachen kann 🙂 Beim Lauf in die Wechselzone streifte ich mir schon mal den V3 vom Oberkörper ab um nicht allzuviel Zeit zu verlieren. Beim Rad angekommen zog ich zuerst den Neo aus und verpackte alle Schwimmutensilien im dafür vorgesehenen Nylonbeutel. Danach Socken und Schuhe an, sowie Helm und Brille auf. Zum Schluss noch das Startnummernband um den Ranzen und dann inklusive Rad ab durch die Mitte. Nach dem überqueren des Wechselzonenbalkens schwang ich mich mit viel Elan aufs Rad und trat kräftig in die Pedale.

Die Radstrecke ging über 3 Runden rund um die dm – Arena. Die ersten beiden Kilometer liefen mit einer Geschwindigkeit von knapp 36 km/h gleich mal richtig gut. Die Quittung bekam ich dann auf dem „Rückweg“. Es wehte ein doch recht ordentlicher Südwestwind, der mir und den meisten Hobbyradlern stramm um die Ohren pfiff. Das Ergebnis war 29 km/h in die entgegengesetzte Richtung. Ein gutes Gefühl waren die Überholvorgänge beim Radfahren, hier konnte ich das „Schwimmdesaster“ wieder einigermaßen wettmachen. Gerade auf der ersten Radrunde konnte ich viele Mitstreiter überholen. Das war Motivation pur.

Die Radstrecke machte bis auf den Gegenwind richtig Spaß. Auch die Zuschauer und Anhänger die sich rund um den Kreisel beim Epplesee und der Straße entlang postiert hatten machten ordentlich Stimmung und feuerten die Triathleten an. Die Kilometer verflogen und ich wurde immer schneller. Meinen schnellsten KM drückte ich bei KM 14 mit 38,5 km/h. In der 3. Runde bogen wir dann ab, es ging halb um die dm-Arena herum und dann durch die Unterführung der B36. Zum Schluss der Radstrecke ging es dann am Ziel vorbei in Richtung Forchheimer Hallenbad wo die Wechselzone Rad/Laufen aufgebaut war. Einmal kurz in die Wechselzone reingeeiert, Rad eingehängt, Helm und Brille ab und dann Feuer frei!

Da ich schon mit den Laufschuhen auf dem Rad unterwegs war(Schlaufen an den Pedalen), fiel mein Rad- Laufenwechsel deutlich kürzer aus als bei den meisten.

Na gut jetzt ging es rein in meine Paradedisziplin….obwohl…in meiner Euphorie hatte ich ganz vergessen dass mir ja eigentlich der Fuß wehtun müsste…hmmm?? Kaum dran gedacht, ging es auch schon los. Meine Plantarsehne ließ sich auch nicht lange bitten und machte mir schnell klar, dass die anstehenden 5KM heute wohl nicht unter 20 Minuten zu Ende gehen werden. Dazu kam auch noch dass meine Blase sich wie nach 3 Weizenbier anfühlte. So sind also die 4:36 Minuten für den ersten Kilometer zum Großteil dem Zwischenstopp am Waldesrand geschuldet 🙂 Jeder der schon Mal eine längere Strecke auf dem Rad saß und danach zum Laufen überging weiß auch dass die ersten paar hundert Meter sich anfühlen als würde man auf Eiern laufen. Aber nun genug zu der 4:36!

nachdem die Blase entleert war und ich wieder Fahrt aufgenommen hatte, konnte ich so pö a pö die vorbeigelaufenen wieder einsammeln. Das Laufen ging eigentlich ganz gut aber meine Verletzung spürte ich immer stärker aber jetzt aussteigen oder aufgeben kam nicht in Frage… Mit einem Schnitt von 4:14 Minuten ging dann auch der 2. Kilometer zu Ende…zufrieden ist anders aber ob dem bisher geleisteten und dem Auafüßlein war es ok.

An der Getränkestation nahm ich mir 2 Becher (in der Hoffnung dass es Wasser ist) und schüttete sie mir ins Gesicht. Der Druck an meiner Fußsohle wurde immer stärker, aber ich wollte unbedingt weiter und das Ding finishen.  Die erneuten 4:36 Minuten für den 3. KM waren nicht gerade berauschend aber egal jetzt. Noch einmal die Zähne zusammengebissen und KM 4 in 4:02 geschrubbt. Zu guter Letzt kam noch  der berühmt, berüchtigte Wildschweinbuckel, den es schnellst möglich zu „besteigen“ galt. Der Puls bei 180 und noch gut 500 Meter bis zum Ziel, die Ferse brennt aber ich denke nur nach den roten Teppich beim Zieleinlauf und die vielen Zuschauer. Noch einmal nehme ich meine Beine in die Hand und laufe was die Ferse hergibt. Die letzte Kreuzung, über die Bahnschiene und dann …ja dann….einfach ein genießen. Ein echter Genuss ist dieser Zeileinlauf…..Gänsehaut überströmt mich sogar noch beim Schreiben dieser Zeilen. Ein kleiner, kurzer Triathlon mit einem großen Finale.

Und ich? Ja ich … Nach 1 Stunde, 8 Minuten und 40 Sekunden, bin ich 400 Meter geschwommen – 17 Kilometer Rad gefahren und 5 KM gelaufen und habe mir damit den 88. Platz bei den Herren von insgesamt 211 Einzelteilnehmnern erkämpft. . Glücklich und mit Fersenschmerzen habe ich mir nun endlich den Traum von meinem 1. Triathlon erfüllt! Natürlich wäre ohne die Verletzung und mit einem vernünftigen Lauftraining in den letzten Wochen durchaus noch das eine oder andere Minütchen drin gewesen, aber was willst du machen, man muss das Leben eben nehmen wie es kommt.

In diesem Sinne….Keep on

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