170 mal pro Minute hämmert mein Herz in meinen Brustkorb. Links und rechts von mir keuchen weitere…..naja, nennen wir es mal zumindest in diesem Moment „Leidensgenossen“. An laufen ist im Moment nicht zu denken. Mit meinen Armen und Händen stoße ich mich bei jedem Schritt auf meinen Knien und Oberschenkeln ab. Meine Muskeln brennen wie Feuer. Der letzte große Anstieg beim PflazTrail hat es wirklich in sich, es wird einem alles abverlangt. Die Idee war, von Anfang an volles Risiko zu gehen, um meine Zeit von 2:47: Stunden aus dem letzten Jahr zu verbessern. Noch den Wind vom Berlin-Marathon im Rücken, ging ich dieses Unternehmen optimistisch und hoffnungsvoll an. Nun krieche ich hier dampfend und triefend, die vom Regen der vergangen Tage aufgeweichte Piste im 8:30er Schnitt hinauf. „Hätte ich es doch am Anfang nur langsamer angehen lassen“, denke ich noch so bei mir, als mich am Gipfel angekommen der Vorbote eines Wadenkrampfes mit einem richtig fiesen Ziehen in der linken Wade heimsucht! Krampf bei KM 25? Scheiße nein!IMAG1481

Eigentlich begann der Tag ja ganz gut. Chicken Express Mitglied Uwe hatte mich um 8:00 Uhr abgeholt. Er wollte dieses Jahr zum ersten Mal in die Trail-Läuferszene reinschnuppern und meldete sich im Vorfeld für den 16,4 KM langen Quatertrail an. Ich nehme wie im letzten Jahr am Halftrail über 32,6 KM teil. Gemeinsam fuhren wir also ins Leiningerland. Der leichte Regenschauer, der uns beim Aussteigen auf dem Parkplatz erstmal herzlich begrüßt hatte, verzog sich dann aber auch gleich wieder. Nach Entgegennahme der Startunterlagen und dem schlürfen eines gediegenen Kaffees, lauschten wir noch während des Briefings den Instruktionen, die den Läuferinnen und Läufern auf den Weg gegeben wurde.Bildschirmfoto 2014-10-19 um 17.27.13

Motiviert durch meinen 15. Gesamtplatz aus dem letzten Jahr, nehme ich in der Startaufstellung meinen Platz in der ersten Reihe ein. Coole Sache :-). Als der Startschuss knallt, setzt sich das Feld in Bewegung und ich laufe gleich mal vorne mit. Der erste KM  verstrich nach 4:22 Minuten, zwar flott aber alles noch im Rahmen. Zwei oder 3 Läufer zogen gleich mal vorne weg und waren nicht zu halten. Der Rest unserer „Führungstruppe“ hatte mehr oder weniger das selbe Tempo. Ich laufe an 9. Stelle und freue mich riesig. Bei KM 2 geht es los, der Trail beginnt! Über mal mehr oder weniger breite Pfade schlängelt sich die Läuferschar durch den Wald. Ich blicke auf die Uhr…. 4:09er Schnitt….wow…ich bin mir nicht sicher ob ich das Tempo so gehen soll/kann und drücke mal leicht auf die Euphoriebremse. Allerdings bewirkt ab KM 3 der erste Anstieg das selbe. Dann macht es richtig Spass, es geht bergauf, bergab über laubbedecketen Waldboden, einfach toll. Eine Zeit lang laufe ich mit 2 weiteren Läufern im selben Tempo, die dann aber doch nach der ersten Verpflegungsstelle bei KM 6,4 abreißen lassen. Wieder auf mich alleine gestellt, laufe ich einfach nach Gefühl und versuche irgendwie doch an einen Vordermann heranzukommen.

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Die wichtige Verpflegungsstelle bei der Burg Battenberg Bild: Pfalztrail

50:20 Minuten dauert es bis auch der 10te KM bewältigt ist…naja nicht mal ganz ein Drittel aber ich fühle mich noch ziemlich gut. Ein heftiger Anstieg bei dem sogar auch mal kurz gehen musste liegt hinter mir und gut 200 Meter vor mir erkenne ich einen Läufer. Ich versuche an ihn heranzulaufen aber er hat ein wirklich ordentliches Tempo drauf für das ich mich doch ziemlich strecken muss. Ganze 2 Kilometer dauert die „Jagd“ aber dann hab ich ihn. Wir reden ein wenig über das Tempo, die noch zu bewältigende Strecke usw. Die Zeit verfliegt so wie im nu. Eine steiles Wiesenstück verschafft mir dann noch eine schöne Rutschpartie bergab. Die nächste große Verpflegungsstelle bei der Burg Battenberg kommt nach 14 ein halb KM genau recht. Ich pfeife mir drei Iso-Getränke rein, ein Wasser, und eine halbe Banane. Phuhhh..das war jetzt nötig! Gut gestärkt mach ich mich wieder auf den Rückweg in Richtung Hertlingshausen. Die Asphaltstraße durch ein Wohngebiet ist jetzt nicht gerade des Trail-Läufers Lieblingsuntergrund aber die paar Zuschauer bzw. Anwohner die einfach gerade ihrer Samstäglichen Hof- und Gartenarbeit nachgehen verschaffen ein wenig Abwechslung und weitere Motivation.

Auf den folgenden Kilometern werde ich überholt und überhole auch selbst. Ein ständiges hin und her. Zum einen sehr unterhaltsam zum anderen ein Zeichen, dass ich wohl etwas nachlasse. Hmm? Nicht nachdenken, sondern einfach laufen sage ich mir und gebe wieder Gas. Eine unangekündigte Wasserstation mitten im Wald nehme ich zum Anlass ein weiters Gel, welches ich noch dabei habe, mit Wasser hinunterzuspülen. Das Zeug ist ja ohne Wasser kaum zu ertragen :-). Die „Halbmarathonmarke“, die es ja so heute eigentlich nicht gibt erreiche ich nach gut 1 Stunde und 45 Minuten. Anschließend geht es bei KM 23 wieder bergauf, ich laufe im, 6:23er Schnitt. Ich spüre die Anstrengung zwischenzeitlich doch und versuche mir die Kräfte gut einzuteilen. Bei KM 24 geht es leicht bergauf dann stark bergab. Gerade das Bergablaufen ist nicht ohne. Zum einen muss man aufpassen wie ein Schießhund dass man nicht ausrutscht, stolpert oder umknickt, zum anderen strengt es die Muskulatur sehr stark an. Was dann kommt …. das durftet ihr ja gleich Eingangs zur Kenntnis nehmen 🙂

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Danach wurde es wirklich schwierig für mich, vor allem bei den Bergab-Passagen. Mit jedem Schritt zogen sich mehr dunkle Wolken in meinen Waden zusammen. Zwischen dem KM 26 und 28 erlebe ich mein Waterloo. Meinen „Laufpartner“ habe ich inzwischen verloren und nun muss ich tatsächlich stehen bleiben um die Wadenkrämpfe auszudehnen. Das Ding hier ist echt nix für Weicheier! Drei Mal das Ganze! Die Läuferinnen und Läufer des Quatertrails mit Kurs Sub 2 Stunden, die inzwischen ebenfalls mit auf der Strecke sind, laufen an mir vorbei. Bei KM 28 ist der Krampf-Kampf dann endlich vorbei. Die Krämpfe scheinen keine Lust mehr zu haben. Auf ebener Strecke die es dann aber nicht mehr gibt könnte ich einigermaßen laufen aber es ist wie es ist. Die Überholten von vorhin sammle ich wieder ein und mache mich auf die letzten beiden Kilometer. Noch einmal geht es bergab und wieder zieht sich in meiner rechten Wade ein Krampf zusammen…so eine Schei…..! Ich bleibe ein weiteres Mal stehen und dehne kurz aus. Ich denke an Uwe, dem ich irgendwo bei KM 29 begegnet bin und dann überholt hatte. Wird er mich jetzt auf den letzten Metern wieder kassieren?

Nein, er kommt nicht….Ich laufe vorsichtig weiter und bin jetzt endlich auf der Zielgeraden. Sogar die Sonne zeigt sich und doch setzt das Hochgefühl wie bei meinem letztjährigen PfalzTrail-Zieleinlauf im Regen einfach nicht ein. Jeder Schritt ist wie ein Ritt auf der Rasierklinge. Doch dann ist es geschafft, die letzten Meter sind versöhnlich. Zuschauer jubeln der Sprecher begrüßt mich mit „Wolfgang super, du hast es geschafft“! Jaja… „geschafft“ denke ich als mich auf der Ziellinie ein weiterer Wadenkrampf schier auf die Bretter schickt.Ohne Titel Ich bekomme eine tolle Medaille und nehme meine Zeit von 2:53:18 Stunden und den damit 24. Gesamtplatz zur Kenntnis. Ok, der Lauf ist toll, gut organisiert  hat auch wirklich Spaß gemacht aber die Zeit war halt nicht das was ich wollte. Auch der 5. Platz in der Altersklasse versüßt mir die Leistung nicht. Letztes Jahr war ich ohne Ambitionen knapp 6 Minuten schneller! Allerdings erscheint mir nun im Nachhinein das Ergebnis doch wieder viel besser als so kurz nach dem Rennen, denn noch vor ein paar Monaten hatte ich wegen meiner Plantarsehenentzündung und mangels Training noch nicht einmal mit einer Teilnahme gerechnet. Zudem hing mir sicherlich auch noch der Berlin-Marathon ein wenig in den Knochen.IMAG1484

Uwe der alte Haudegen hat seine Premiere auch gut überstanden und lief nach 1:55:08 Stunden durch den Zielbogen. Seine persönliche Vorgabe von Sub 2 Stunden hat er bravourös erfüllt.

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Das Fazit bleibt das selbe wie im letzten Jahr: Tolle Veranstaltung – Tolle Organisation – Tolle und motivierte Helfer an der Strecke – Und ich ? Ja, ich komme nächstes Jahr wieder und hole mir meinen Altersklassensieg zurück 🙂

In diesem Sinne…..Keep oncropped-RUWO3-1024x437

Hier gibt es noch weitere Links mit Berichten zum PfalzTrail:

http://www.pfalztrail.de

https://bussislaufblog.wordpress.com

http://trail-sports.de

http://trailgrip.com

http://trailrunnersdog.blogspot.de

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