Einmal im Leben übers Eis schweben,  doppelte Rittberger springen und Pirouetten drehen bis der Arzt kommt, wer hat davon noch nicht schon mal geträumt. All das war am vergangenen Sonntag in Karlsruhe-Knielingen möglich, denn die Bedingungen waren fantastisch dafür. Der TV Knielingen wollte mit seiner 1. Knielinger Rennerei einen winterlichen Volkslauf haben, den hatte er dann dank Tief Hiltrud auch  par excellence. Ein Volkslauf in Knielingen? Ich selbst kenne diesen Ortsteil aus Karlsruhe eigentlich nur im Zusammenhang mit SV Knielingen die-Holzbiere dem derzeit bundesweit erfolgreichsten Verein im Karnevalistischen Tanzsport, bei dem auch unsere beiden Töchter ihrem Hobby nachgehen.  Erst sehr kurzfristig erfuhr ich überhaupt von der Veranstaltung, doch sofort war klar, da bin ich mit meinen Freunden vom Chicken Express Running-Team mit an Bord.

Bestzeiten standen außer Frage

Der vom bereits erwähnten Tief Hiltrud mitgebrachte Schnee, das Glatteis und die klirrend kalte Luft, hielten die Läuferinnen und Läufern am Sonntagmorgen nicht davon ab an diesem Volks-(Eiskunst-)lauf teilzunehmen :-). Vom Chicken Express war ein 3-Mann-Trupp in Form von „Kein-Volkslauf-ohne-mich-Marcus“, Edy „The Terrier“, und der Schreiber dieser Zeilen mit von der Rutsch- Partie. Ebenfalls mit am Start war unser Laufkumpel Nils Gräber vom Sportmodus. Das anstreben von irgendwelchen Bestzeiten stand aufgrund der eher ungewöhnlichen Streckendistanz von 7,5 KM und den sehr bescheidenen Streckenverhältnissen völlig außer Frage. Ohnehin wollten die Veranstalter mit diesem Volkslauf viele Freizeitsportler  ohne viel Training ansprechen, deshalb entschied man sich auch nur 7,5 KM statt 10 KM zu laufen. Nun ja…nichts desto trotz wollte ich (wir) mit der nötigen Vorsicht alles geben.

Elegante Lösung

Vor Rennbeginn nahmen wir noch unsere Startnummern von einer netten engagierten Dame entgegen. Aufgrund des noch nicht ganz so großen Ansturms auf den Lauf war in der Umkleide auch noch ausreichend Platz vorhanden. Ein Aufkleber für den Laufrucksack, der dann in der Sporthalle abgestellt werden konnte, war eine feine Sache. Mit einem kleinen Kabelbinder wurde das Problemchen mit dem Zeit-Transponder, welcher normalerweise umständlich in die Schnürsenkel eingefädelt werden muss, sehr einfach und elegant gelöst. Da kann sich selbst der Ludwigshafener Stadtlauf in seiner mittlerweile 20. Auflage in 2015 eine Scheibe abschneiden 🙂

Der Start (Bild: TV Knielingen)

Der Start (Bild: TV Knielingen)

Keiner wollte an mir vorbei

Nachdem in der Meldeliste keine allzu bekannte Namen außer Markus Brendelberger (nicht gestartet) und bei den Damen Julia Bush auftauchen, wagte ich mich beim Start einfach mal in die erste Reihe. Die Kufen waren festgezurrt und pünktlich um 10:30 Uhr wurde der Start dann mittels einer lustiger Tröte freigegeben. Kurze kleine Schritte waren angesagt, wie das halt so ist bei Schlittschuhlauf. Die erste Kurve war gemeistert und nachdem uns der Streckenposten auf Nachfrage den Weg an der ersten Abzweigung  in den Bruchweg gewiesen hatten konnte ich mich auch auf das Rennen konzentrieren. Nach dem 1. KM, den ich irgendwie in 3:56 Minuten hinter mich gebracht hatte befand ich mich überraschenderweise auf dem 5 Rang. „OK mal wieder zu schnell gestartet“ dachte ich, doch so recht wollte keiner der Hinteren an mir vorbei…sehr schön :-). Das war dann auch das letzte Mal, dass ich auf meine Garmin sah.

Punktabzug in der Pflicht gerade noch verhindert

Auf dem nächsten Abschnitt des 3,8 KM langen Rundkurses ging es dann zur Sache. Ein richtig fieser kalter Nordost-Wind peitsche uns das winterliche Geflöck ins Gesicht. Augen zu und durch hieß nun die Devise. Nach weiteren 500 Metern kam eine wirklich niederträchtige Linkskurve …. das Tempo ganz leicht gedrosselt gelang es mir mit einem Drehschritt, bei dem auf einem Bein die Laufrichtung gewechselt wird, auch Wende genannt, einen frühen Sturz und den damit unumgänglichen Punktabzug in der Pflicht zu verhindern.

Ein gekonnter Spreizsprung bringt den  4. Platz

Während sich mein Puls nach diesem Vorfall nur langsam wieder erholte ging es jetzt volle Möhre gegen den Wind. Ein LSGler der das Tempo der Führungstruppe nicht mehr halten konnte war nun ein gefundene „Fressen“ für mich. Doch wie sollte ich an ihm vorbei kommen und mich auf den 4. Platz schieben? Eine Eisplatte so groß wie der Knielanger See lag vor uns. Hm? Da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren….ein Spreizsprung! Ich drehe mich also rückwärts mit der Innenkante des linken Fußes und tippe mit dem rechten einmal kurz aufs Eis, springe dann mit einer halben Körperdrehung in die Luft und lande mit einer Grätsche gekonnt mit dem linken Bein im sicheren Schnee. Einmal Tritt gefasst ziehe ich das Tempo wieder an und bin am Gegner vorbei :-).

1. Knielinger Rennerei

Noch war die Nr. 2 in Reichweite…leider hat es am Ende nicht gereicht (Bild: TV Knielingen)

Hiltrud bläst von Hinten

Auf der 1,5 KM langen Zielgeraden „bläst“ Hiltrud ordentlich von hinten. Eine Wohltat war das…. ich kann euch sagen…ein Lächeln auf den roten Wangen war trotz eines überraschenden Überholmanövers der Startnummer 2 (siehe Bild oben) der sich den späteren 4. Platz schnappte auf der Ziellinie nach der ersten Runde unumgänglich. Der ebenfalls kurzbehoste LSGler mit der 78 auf dem Bauch hatte nach Ende der 1. Runde schon einige Körner gelassen (Siehe ebenfalls Bild oben) und musste abreisen lassen. Mein Nutellafrühstück verlieh mir ungeahnte Kräfte.

Ein einsames Rennen

Ich höre den Sprecher noch sagen „14 Minuten irgendwas und die Läufer haben Spaß!“ Und irgendwie hatte er auch recht. Vielleicht lag es auch an meiner ungewohnten Position, denn bei den meisten Rennen  ist man ja mit sich  und seiner Pace beschäftigt, heute aber nicht. Auf der zweiten Runde war das Geläuf kaum besser und das „hohe Tempo“ der ersten Runde hinterließ tatsächlich Spuren. Was nun folgte war ein einsames Rennen. Die Läufer vor mir waren für mich nicht mehr erreichbar und die Läufer hinter mir hatten noch genug Abstand.  Der Rest des Rennens verlief bis auf eine eingesprungene Sitzpirrouette mit der ich nur ganz knapp einen Bauchplatscher auf einer der Eisflächen entging, eher unspektakulär.

Kurz vor dem Ziel aber leider ohne Kati Witt (Bild: TV Knielingen)

Kurz vor dem Ziel (Bild: TV Knielingen)

Nach 30:16 Minuten und 7,5 KM Schnee und Eis rettete ich einen tollen 5. Platz über die Ziellinie. Dass ich unter diesen Umständen einen 4er Schnitt durchbringen würde hatte ich wirklich nicht gedacht.

Marcus hatte nach den Festtagen nicht nur mit dem Schnee zu kämpfen :-)

Marcus hatte nach den Festtagen nicht nur mit dem Schnee zu kämpfen 🙂 (Bild: TV Knielingen)

Marcus der nicht nur mit der Kälte, dem Schnee und dem Eis, sondern auch noch mit den Auswirkungen der Festtage zu kämpfen hatte schlitterte auf dem 28. Platz nach 35:43 Minuten durchs Ziel.

Der verfrorene Edy war heute 3- oder 4-lagig unterwegs

Der verfrorene Edy war heute 3- oder 4-lagig unterwegs (Bild: TV Knielingen)

Dick eingepackt konnte sich auch Edy  noch einen 36. Platz im  Gesamtrankings erkämpfen.

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Schnell unterwegs war auch Nils Gräber – Sportmodus (Bild: TV Knielingen)

Im Ziel gab es für die Läuferinnen und Läufer heißen Tee und Hefezopf. Prima mehr brauchte es nicht. Als zusätzlicher Service stand im Ziel eine sehr nette Frau mit Schere parat um die Teilnehmer vom zuvor angebrachten und clever ausgedachten Kabelbinder wieder zu befreien.

Glücklich und ohne Sturz im Ziel der 1. Knielinger Rennerei (Bild: TV Knielingen)

Daumen hoch für die 1. Knielinger Rennerei (Bild: TV Knielingen)

Mir hat die Knielinger Rennerei echt Spaß gemacht, es gab engagierte Helfer und eine gute Atmosphäre. Dass die Strecke im Winter auch mal Schneebedeckt und vereist sein kann, damit muss man rechnen wenn man sich bei so einem Lauf anmeldet.  Einzig die Siegerehrung hätte nicht unbedingt draußen in der Kälte stattfinden müssen, so hatte man im Gebäude doch extra eine „Wirtschaft“ im oberen Geschoss eingerichtet. Doch alles in allem war es eine gelungene Veranstaltung vom TV Knielingen, die der Chicken Express im nächsten Jahr ganz sicher wieder zwischen Truthahn und Silvesterlauf im Laufkalender stehen hat.

In diesem Sinne….Keep on cropped-RUWO3-1024x437

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