Noch bevor ich den ersten Kilometer auf der B427 von Kandel in Richtung Minfeld unter meinen Brooks Racer ST5 nehmen konnte, schlug mein Herz fast bis unter die Decke der Bienwaldhalle. Es war kurz nach 9:00 Uhr als ich die Abwesenheit meines seit vielen Jahren treuen, kleinen, runden, gelben Begleiters bemerkte. Kurzzeitig hatte ich den 37. Nationalen Halbmarathon in Kandel sogar schon abgehakt. Doch der heilige Christophers war mir gnädig und wies mir den Weg zum Troubleschalter in der Ecke leuchten. Der nette (Erst-)Helfer lies meinen Puls nach Entgegennahme von 30 EUR für den Leihchip, ohne den keine Zeitmessung möglich ist,  wieder auf „Normalniveau“ sinken.

Die Zeit verging und der Start rückte in greifbare Nähe. Nach einem kurzen Photoshooting und ein wenig   „gegacker“ ging´s dann ab auf einen kurze Einlaufrunde. Dann noch die letzten drei obligatorischen Pipietropfen rausgepresst und rein in die Startaufstellung. Der Plan war einen Schnitt n´von 4:04 min/km zu laufen, meine alte Bestzeit zu knacken und gleichzeitig eine Zeit von 1:25:xx Std. zu laufen. Ich fühlte mich sehr gut (hatte die klassische Greif`sche Halbmarathonvorbereitungswoche hinter mir) und auch die Wetterverhältnisse waren überragend. Somit konnte eigentlich nicht viel schiefgehen. Meine Jungs vom Chicken Express hatten sich ebenfalls ordentlich eingereiht und strebten gleichfalls Ihre selbst gesteckten Ziele an. Für unseren Carsten war es der erste Halbmarathon, doch dass er das Ding souverän nach hause bringen würde war uns allen klar. Also ohne Sorge um meine gut vorbereiteten Freunde startete ich in meinen 14. Halbmarathon.

Schon zu Beginn des Rennens war ich flott unterwegs…sehr flott…um nicht zu sagen zu flott! Mit 3.47 und 3.53 pro Kilometer hatte ich eher mein 10 KM-Tempo eingeschlagen als meine geplanten 4:04. Naja es lief und ich lies laufen. Etwas später als ich in Minfeld ankam und das 5 Kilometerschild passierte brummte meine Garmin 310XT und bescheinigte mir 19:38 Minuten für diesen 1. Abschnitt, tja Scheisse…zu schnell. Gottlob ist es ja im Halbmarathon nicht so wie beim Marathon, dass der zu schnelle Beginn einen am Ende ausknockt aber dass ich dieses Tempo nicht werde halten können war mir klar.

Während des nächsten Streckenabschnitts fand ich endlich auch eine kleine Gruppe die mein Tempo lief und ich konnte in Richtung Naturfreundehaus auch mal ein wenig Windschatten laufen :-). Die KM 6 + 7 verstrichen im 3:57er und 4:03er Schnitt. Die „Menschenmassen“ am besagten Naturfreundehaus machten ziemlich Krawall, was mir einen ordentlichen Motivationsschub verlieh. Weitere 2 KM später, als das 9er Schild am Straßenrand vorbeirauschte hatte ich immer noch einen Gesamtschnitt von 3:58. So langsam wurde es Zeit das Tempo herauszunehmen, sonst ….ja sonst… Das Powerbar-Tütchen und ein Becherchen Wasser, der an der Verpflegungsstelle nach KM 10 von den netten Wasserbecherreicherinnen- und Reicher (nennt man die eigentlich so auch so?) gereicht wurde, gab mir nochmals einen kleinen Schwung für die nächsten Kilometer mit auf den Weg.

Die 39:48 Minuten für 10 absolvierten KM waren vor nicht allzu langer Zeit noch meine Bestzeit auf diese Distanz…Wahnsinn! Es kommt nicht selten vor, dass ich die teilweise knallharten Trainingseinheiten von Peter Greif verfluche aber in solchen Momenten liebe ich sie.

Der Wendepunkt bei Kilometer 12,5 war dann leider auch der Wendepunkt in meinem Rennen. Es fiel mir zusehends schwerer das bisher gelaufene Tempo weiter zu halten. Nach dem 13ten KM, den ich nochmals in 3:56 gelaufen war ging es abwärts….ähhh…aufwärts…hmmm?… egal wie auch immer. Mit 4:06, 4:07 und sogar einer 4:08 (KM18) wurde es immer knapper in meiner geplanten Zielzeit über die Ziellinie im Bienwaldstadion zu laufen.  Plötzlich war es soweit, wenn du vermeintlich am Anschlag läufst, fast nicht mehr kannst und du denkst,“lieber Gott im Himmel, lass  mich jetzt einfach ins Ziel kommen oder sterben“, dann kommt es noch schlimmer. Für mich war das in Kandel der Abschnitt zwischen KM19 und 20 auch „Hintergraben“ genannt 🙂 Das Ding zieht sich wie ein Kaugummi ….ich kann euch sagen.

Doch nach Regen folgt bekanntlich ja der Sonnenschein und so auch in Kandel, es ging rechts ab in den Hufhobweg, der in der Folge in die Jahnstraße übergeht und gleichzeitig den letzten Kilometer des Rennens ankündigt. Jetzt noch mal zusammenreißen, nicht heulen, kämpfen, beißen, sich quälen, die Gesichtszüge entgleisen lassen. Dann ist es soweit, die Ehrenrunde auf der Tartanbahn des Bienwaldstadions. Irgendwo hier sollte doch Elvira unser heutiges Photo-Chicken sein, und den Zieleinlauf für die Nachwelt festhalten? Ich wollte die letzten Meter nochmal voll angreifen und mit einem Schlusssprint die Zeit „retten“, doch mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich war am Ende einfach nur froh im Ziel zu sein.

Eine neue persönliche Bestzeit war geschafft aber war auch der 1:26 gefallen? Etwas später, als wir bei Kaffee und Kuchen am Stehtisch in der Biewaldhalle stehen, bekomme ich von Elvira die Urkunde auf den Tisch… Nettozeit: 1:26:01…Prost Mahlzeit! Die Sekunden der Enttäuschung vergingen dann aber auch so schnell wie sie gekommen waren. Wir alle vom Chicken  Express Running-Team hatten einen riesen Spass. Tolles Wetter, tolle Organisation, das familiäre Flair und die netten Helfer taten natürlich ihr übriges dazu. 

Hier noch die Ergebnisse (Bruttozeiten) unseres Teams im einzelnen:

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Einen dickes Lob geht an unseren Novizen Carsten, der seinen ersten Halbmarathon mit tatkräftiger Unterstützung von unserem „Heiligen Christopherus“ ins Ziel gebracht hat. Die Überraschung des Tages war Uwe, der nach seinem „Las Vegas-Spatziergang“ in Kandel gezeigt hat, dass er deutlich mehr drauf hat. Eine ganz starke Leistung kam von unserem Sportmodus-Multitalent Nils der mit einer sehr guten 1:33er Nettozeit gezeigt hat was ihm nach Tennis am meisten Spaß macht. Edy „The Terrier“ biss sich wieder mal zu einer neue Bestzeit und unser Spass-Chicken Herr English, der noch mit den Nachwirkungen einer Erkältung haderte, mit einer 1:40 immer noch eine tadellose Leistung zeigte. Unsere einzige Dame im Chicken Express Halbmarathonstall musste krankheitsbedingt leider passen.

Zusammenfassend hat Kandel mal wieder einen reißen Spass gemacht und das ist es doch worum es uns allen  eigentlich geht.

In diesem Sinne….Keep on

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