Ist es möglich zwei schnelle Marathonwettkämpfe innerhalb zwei Wochen zu laufen und dabei Bestzeiten zu erzielen? Diese Frage stellte ich mir als ambitionierter Hobbyläufer. Ich durfte der weltbekannten Sport – Reporterin Susi Sauseschritt  kurz nach dem SAP Arena Marathon in Mannheim in einem Interview über die Hintergründe meines Strebens und ob mir mein Vorhaben auch tatsächlich geglückt ist.

Susi Sauseschritt: Einen Marathon zu laufen ist für die meisten Menschen hierzulande ziemlich unvorstellbar. Wann kamst du auf die Idee gleich zwei Marathon´s auf Bestzeit innerhalb  zwei Wochen zu laufen?

RunningWolle: Der Geistesblitz kam mir 3 Tage nach dem Hamburg Marathon als sich die ärgsten Muskelschmerzen weitestgehend verabschiedet hatten.

Susi Sauseschritt: Ist man nach 14 Tagen schon wieder so fit dass man gleich den nächsten schnellen Marathon laufen kann? 4 Wochen wären doch besser, oder?

RunningWolle: Die Regenerationszeit nach einem Marathon ist natürlich von Läufer zu Läufer unterschiedlich aber in der Vergangenheit war ich persönlich nach 14 Tagen immer damit durch. In Hamburg bin ich meinen 7. Marathon gelaufen. 8 bis 10 Tage nach den bisherigen Marathon´s habe ich mich schon wieder so gut gefühlt dass ich einen Wettkampf über 10Km oder Halbmarathon laufen hätte laufen können. Natürlich hatte ich aber schon kräftig Muffensausen, denn nicht wenige bekannte Läufer rieten mir ab bzw. standen meinem Projekt sehr skeptisch gegenüber.

Susi Sauseschritt: Was hat dich aber nun letztendlich dazu bewogen nicht auf einen Herbstmarathon zu warten sondern gleich zwei Wochen später noch einen Anlauf beim SAP Arena Marathon zu nehmen?

RunningWolle: Tja….da spielte sich viel in meiner Birne ab. Leider hat mich meine Zielzeit im Hamburg nicht so vom Hocker gerissen wie ich mir das vorgestellt hatte und das hat ziemlich heftig an mir genagt. Meine Fuß-Verletzung vom letzten Jahr hatte ich gut überstanden und über den Winter auch gut trainiert. Ohne Erkältung und mit ca. 1600 Trainingskilometern ab Dezember, war ich voller Zuversicht meine alte Bestzeit von 3:12:09 Stunden deutlich unterbieten zu können.

Susi Sauseschritt: Wie waren die Ergebnisse auf den Unterdistanzen über 10KM und Halbmarathon?

RunningWolle: Bereits am 6. Januar lief ich über die 10KM eine Zeit von 39:08 Minuten und der Halbmarathontest in Kandel, war mit 1:26:01 Stunden auch noch ganz zufriedenstellend. Aufgrund dieser Zeiten fasste ich für Hamburg eine Zielzeit von um die 3:05 Stunden ins Auge.

Susi Sauseschritt: Zwischen deinen geplanten 3:05 Stunden und deinem Ergebnis mit 3:12:15 Stunden liegen gute 7 Minuten. Weshalb hast du so sehr darüber geärgert?

RunningWolle: Geärgert? Dass hast du aber schonend ausgedrückt 🙂 Nun ja, das schlechte Wetter in Hamburg hatte viele Läufer um ihre Bestzeiten gebracht, mag sein des es die meisten entspannter sahen als ich aber das muss eben auch jeder mit sich selbst ausmachen. Für mich war klar, ich kann und will das bis zum Herbst so nicht stehen lassen. Ich wollte eine neue persönliche Bestzeit….. wenigstens versuchen wollte ich es.

Susi Sauseschritt: Beim SAP Arena Marathon in Mannheim gibt es doch einige Brücken zu überqueren, war er dennoch die richtige Wahl? 

RunningWolle: Naja, hinterher ist man immer schlauer. Der Marathon in Mannheim war sowieso fest im Terminkalender eingeplant, denn einige aus unserer Laufgruppe waren für den Halbmarathon angemeldet. Zum einen aus diesem Grund und zum anderen aus Ungeduld entschied ich mich für Mannheim. Dass mich die Brücken Zeit kosten würden war klar aber trotz allem dachte ich, es ist möglich.

Susi Sauseschritt: Was war dein Ziel und wer hat dich unterstützt?

RunningWolle: Ganz bewusst hatte ich mich von Anfang an für eine Zeit von um die 3:08 Stunden entschieden. Ich fühlte mich gut und hatte auch keine Beschwerden mehr mit der Muskulatur aber mir war klar, dass mir der Hamburg Marathon immer noch in den Knochen steckte. Ich wolle sozusagen auf „Nummer Sicher“ gehen. Mein Freund und Laufkumpel Marcus vom Chicken Express Running-Team, der für den Halbmarathon gemeldet war wollte mich zur Unterstützung als Pacemaker bis zu Halbmarathon-Marke begleiten. Natürlich drückten mir auch meine Familie und alle anderen die von meiner Mission Impossible wussten die Daumen.

Susi Sauseschritt: Wie war der Rennverlauf für dich?

RunningWolle: Das neue Startprozedere in Mannheim war schon etwas gewöhnungsbedürftig, der Vorteil war aber dass man anfangs etwas ausgebremst wurde und nicht gleich in ein viel zu schnelles Anfangstempo verfallen konnte. Die ersten Kilometer verliefen dann ganz gut, auch das Tempo war mit 4:28 – 4:29 min/km perfekt. Leider verabschiedete sich mein Pacemaker Marcus schon bei KM 6, somit musste ich zusehen wie ich das alleine hinbekomme. Ab KM 10 hatte ich dann aber den Dusel, auf die bis dahin 1. Frau im Marathon aufzulaufen. Diese hatte so ziemlich genau mein Tempo drauf, perfekt! Mit der Radbegleitung und dem Jubel der Zuschauer, der zwar nicht zwingend mir galt sondern eher der führenden Frau, verging das Rennen bis zum Halbmarathon im „Sauseschritt“. Zwischenzeitlich stellte ich dann aber fest, dass ich etwas langsamer wurde. Ich lief dann ab KM 22 wieder mein eigenes Rennen. Zwischenzeitlich überquerte ich auch zum erstem Mal die Brücke nach Ludwigshafen, das ging zu diesem Zeitpunkt noch ganz gut, die folgenden forderten dann aber Tribut. Ab KM 27 merkte ich, das es mir zunehmends schwerer viel mein Tempo zu halten. Die Stimmungsnester auf der Rheingönheimerstraße gaben mir freilich immer wieder neuen Antrieb aber es wurde fortlaufend schwerer.

Susi Sauseschritt: Dachtest du auch mal über einen Rennausstieg nach?

RunningWolle: Ich muss zugeben, ja das habe ich. Beim Kilometerschild 33 hatte ich ein richtiges Tief mit schmerzenden Waden und meine KM-Zeiten stiegen auf 4:37 min/km an. Ich wusste wenn jetzt nicht was passiert, dann wird das heute wieder nix. Doch zum Glück besann ich mich eines Besseren und überwand mit ultrakrassem Willen das Tief.

Susi Sauseschritt: Wie ging es dann weiter?

Ab KM 35 war das bei mir nur noch reine Kopfsache. Meine geplante Zeit von 3:08 Stunden war nicht mehr zu schaffen, ich verschob mein Ziel auf 3:10 Stunden. Doch die beiden nächsten Kilometer entlang des Rheins sollten verdammt hart werden, es war dunkel, keine bzw. nur noch vereinzelt Zuschauer an der Strecke, nur noch der Kampf mit mir selbst. Ich haderte…“warum machst du das hier, warum nur….alle haben gesagt das wird nix…“, ich war physisch am psychisch am Boden. Dann noch eine Brücke und noch eine… ich plagte mich zur nächsten Verpflegungsstelle und warf ein was ging.

Susi Sauseschritt: Wie waren dann die letzten Kilometer im Wissen dass dein Projekt sozusagen in die Hosen ging?

RunningWolle: Richtig hart wurde es als mich zwischen KM 39 und 40 als mich der 3:15er Pacemaker überholte. Das war der absolute Gnadenstoß! Furchtbar! Doch ich wusste, ich habe es bald geschafft und setzte mir immer weitere kleine Zwischenziele…… bis zur Kreuzung, bis zur Ampel usw. Als ich dann endlich den langen und sehr schönen Zieleinlauf am Friedrichsplatz vor mir hatte, war das wie eine Erlösung. Trotz den Strapazen und dem missglückten Vorhaben, genoß ich den Zieleinlauf so gut es ging. Meine Frau und die restlichen Spezis von unsere Laufgruppe harrten im Ziel aus und feuerten mich auf den letzten Metern noch einmal richtig an.

Susi Sauseschritt: Wie ist nun dein Resümee und würdest du es nochmals versuchen?

RunningWolle: Als ich nach 3:15:33 Stunden als 4. in der AK und Gesamt 31igster über die Ziellinie lief, war ich sehr froh es überhaupt geschafft zu haben. Letztendlich hatte ich nun für mich die Gewissheit, dass es nicht mit einer neuen PB geklappt hat. Das schöne ist ich bin um eine Erfahrung reicher und ich muss mir nicht den ganzen Sommer über Gedanken machen ob ich es geschafft hätte oder nicht. Es war wirklich ein Erlebnis, dass ich wohl mein Lebtag nicht vergessen werde. Im Nachhinein hätte ich vielleicht noch ein paar Sachen anders machen können, wie z.B. die Badische Meile zwischen den beiden Marathons mit Vollgas zu laufen 🙂 . dass war doof! Ich würde bestimmt auch wieder zwei Marathons hintereinander laufen, allerdings nicht auf Bestzeit und auch nicht innerhalb von 14 Tagen. Ich überlege mir schon, ob ich im Herbst vielleicht  zwei Marathons laufe, dann aber mit 4 Wochen Abstand und ohne Druck.

Susi Sauseschritt: Vielen Dank Wolle für das nette Gespräch und viel Erfolg bei deinen nächsten Wettkämpfen.

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