Kein Startplatz beim Karlsruher Firmenlauf? Fast wäre es passiert! Um ein Haar wären die ca. 7200 Teilnehmer des B2RUN Karlsruhe in diesem Jahr ohne mich gestartet. Trotz meiner mysteriösen, bis zuletzt anhaltenden Formschwankungen wäre das ein handfester Skandal gewesen, wie ich finde. Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Trotz der unorthodoxen Wettkampfstrecke von 6,2 KM war der B2RUN in den letzten 3 Jahren doch ein fester Bestandteil meines Wettkampfplans geworden.

Das Dilemma begann im Dezember letztes Jahr. 40 Jahre alt, jetzt mit Arbeitgeberwechsel nochmals neu durchstarten, das war mein Ziel. Unter Berücksichtigung aller möglichen Aspekte (naja fast aller Aspekte wie sich im Nachhinein herausstellen sollte), begann ich also die neue Herausforderung im neuen Job in neuer Branche. Doch bei all der Vorfreude und Euphorie auf das Neue verlor ich ganz den Blick auf die evtl. vorhandene laufbegeisterte Belegschaft. Gibt es da vielleicht jemanden mit dem man sich über den Sport austauschen, ja vielleicht sogar laufen kann? Mühevoll hatte ich mir doch in den Jahren zuvor ein Läufergerechtes Umfeld in der alten Firma geschaffen ☺. Einige Kolleginnen und Kollegen zum Laufen motiviert und dem Chef die Teilnahme am B2RUN inkl. Laufshirts aus der Tasche geleiert, ja sogar einen Schnellstarterplatz hat man mir gesponsert. Sogar die Dusche, die im Laufe der Zeit zu einem Abstellraum geworden war, hatte man wieder in ihren Ursprung versetzt. All das nur dass der Wolle glücklich ist und seinem Sport morgens, mittags und abends nachgehen kann. Und dann das … da ist mir doch tatsächlich dieser riesige Lapsus passiert. Wie konnte ich nur?

Nun ja, an meinem ersten Arbeitstag in der neuen Firma sah ich im Flur eine Medaille vom Baden Marathon hängen, ohh dachte ich, dass könnte was werden. Doch die erschütternde Wahrheit folgte auf dem Fuße. Marathonstaffel! Tsss….lächerlich dachte ich, doch keine ambitionierten Läufer 🙂 .  Hier war ich nun also gelandet,  im Nebenbüro mein Chef, eigentlich sportlich… in den Mittdreisßigern, der aus einer Bierlaune heraus vor 2 Jahren den Istanbul Marathon aber in knapp unter 6 Stunden gelaufen war und seitdem keine Gelegenheit auslässt um seine „außergewöhnliche“ Leistung kund zu tun. (Falls sie das lesen Herr Heisch, …viele Grüße aus der Buchhaltung 🙂 )

Uwe (Nr. 13) und ich vor dem Start

Immer näher kam der 11. Juni, der Termin des B2RUN in Karlsruhe und der sollte wohl ohne mich stattfinden. Melancholisch las ich mir nochmals den Bericht vom letzten Jahr durch und lief in Gedanken die Stecke ab. Am 8. Mai um 12:59 Uhr kam dann die erlösende Nachricht. Von meinem Kumpel Uwe Becker, der ehemaliger langjähriger Arbeitskollege war und gleichzeitig wie ich die Firma gewechselt hat (er hat es deutlich besser erwischt als ich), kam eine Whats App-Nachricht: „Und noch Interesse am B2RUN?“ Ich könnte über seinen neuen Arbeitgeber mitlaufen. Mit der Antwort: „Ich liebe dich, bin dabei“ war die Sache geritzt, und einem Start stand zum Glück nun nichts mehr im Weg.

Der „Nackte Mann“ vor dem Wildparkstadion war der Treffpunkt der Firma BIT Ingenieure AG für die ich starten durfte. Mit insgesamt 17 Gleichgesinnten ging es dann nach einem Gruppenfoto in Richtung Startaufstellung.

B2RUN BIT ING

Das Laufteam der BIT Ingenieure AG vor dem Stadion

Die neue Streckenführung vom Wildparkstadion durch den Hardtwald und wieder zurück hatte man gewählt, weil man mit der alten Strecke an die Grenzen des Möglichen gestoßen war. Mit 7200 Startern war aber auch hier nicht mehr viel auszurichten. Die Strecke war brechend voll. Da ich dieses Jahr kein Schnellstarterticket hatte, sondern mit der Masse gestartet war, waren die ersten 3 Kilometer ein reiner Slalomlauf. Dass ich in diesem Jahr stark vermutlich sowieso nicht an die Leistung vom Vorjahr herankommen würde war mir eigentlich von auch vornherein schon klar. Vor Wochenfrist hatte ich erst eine dicke Erkältung überstanden und stand noch nicht wieder voll im Saft. Wie bereits erwähnt war es so gut wie nicht möglich auf den ersten 3 Kilometern „frei“ zu laufen. Ich fragte mich mal wieder was langsameren Läufer nur alle soweit hier vorne machen? Ich selbst hatte mich gerade noch so in das Feld der 30 Minuten-Läufer reinquetschen können. Zu allem Übel brezelte mir auch noch die Sonne mit voller Breitseite in die Visage. Die Thermometeranzeige bei knapp unter 30 °C…einfach herrlich.

Außer vorne im Schnellstarterblock fühlte man sich wie in eine Ölsardine

Als der Startschuss knallte, stand ich nun da….und nix ging! Ein ungewohntes Gefühl, wenn man gewohnt ist gleich loszulaufen 🙂 . Die Krönung des ganzen war, dass die ganze Meute erstmal durch einen engen „Schlauch“ geführt wurde…8er Schnitt mehr war auf den ersten paar Metern nicht drin. Das war etwas so als wenn man einen Tennisball durch einen Gartenschlauch saugen wollte.

B2RUN

Starttrichter

Jetzt aber genug gemeckert. Nachdem ich nun also die Sardinenbüchse verlassen, den sehr engen Startkanal im Gänsemarsch durchquert hatte, an besch… geparkten Autos hauchdünn vorbeigeschrammt war und letztlich den extrem anstrengenden 3 KM langen Slalomlauf in 12:18 Minuten hinter mir gelassen hatte, war die Bahn frei.

Jetzt noch eine Schippe drauflegen dachte ich noch so bei mir aber mehr als 3:57 Minuten auf dem 4. KM war einfach nicht drin. Dieses Tempo wollte ich wenn möglich bis zum Ende halten, als vor mir plötzlich die Brücke über den Adenauerring auftauchte, mit der uns der Fiese Streckenplaner nochmals so richtige einen reinwürgte. Das Resultat war ein lausiger 4:09er Schnitt auf dem fünften Kilometer.

Jetzt aber, der letzte KM sollte sitzen! Ein letztes Mal nahm ich meine Kräfte zusammen und heftete mich an den Läufer vor mir. Mein Puls schlägt 180-mal in der Minute als ich im Karlsruher Wildparkstadion als 98igster über die Ziellinie laufe. Die mit meiner Zielzeit von 24:35 Minuten lag ich zwar gut eine Minute hinter meiner Zeit vom letzten Jahr aber aufgrund meiner aktuellen „Formkriese“ und der besonderen Umstände geht das für mich in Ordnung.

Die weiteren Läuferinnen und Läufer vom BIT Ingenieure Laufteam erzielten auch alle durchweg sehr gute Ergebnisse. In eine richtig tolle sportliche Firma ist der Uwe da reingekommen, Glückwunsch mein Lieber :-).

Die Ergebnisliste der BIT Ingenieure AG

Die Ergebnisliste der BIT Ingenieure AG

Zum Schluss möchte ich mich nochmals ganz recht herzlich bei der Firma BIT Ingenieure AG für den gesponserten Startplatz bedanken. Das war wirklich ein sehr feiner Zug, vielen lieben Dank dafür.

In diesem Sinne Keep on…

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