Der Alltag mit Beruf und Familie hat uns ja alle meistens fest im Griff, die täglich gewohnten Dinge die wir tun (müssen) versperren uns allzu oft die Sicht. Es sind dann hin und wieder die kleinen Dinge im Leben, die einem wieder sagen, „hey wach auf, du lebst!“ Ein spezieller Moment vielleicht, man sieht was und denkt, „mann…wieso mach ich das nicht,“ oder auch einen Menschen den man kennenlernt, der einem wieder eine andere Sicht auf viele eingefahrene Dinge gibt. Diese Anstupser durchbrechen dann zum Glück wieder unsere Monotonie des Daseins. Dieses Thema spiegelt sich aber auch oft im Läuferleben wieder (zumindest bei mir).

Beim ausdehnen gab´s nen kurzen Smalltalk und ein Selfi mit der Mocki.

Die letzten Monate völlig im Fokus des Herbstmarathons, stur den Greif´schen Trainingsplan runtergerattert vergaß ich wieder mal warum das hier alles mache. Kein links, kein rechts…strikt die Umfänge und die Pace einhalten. Dann der Tag X…in bester Verfassung und doch läufts beim Marathon einfach nicht. Einbruch, Enttäuschung…die Frage nach dem Warum?

Viel Zuspruch von außen gab mir schnell wieder Hoffnung und mein Blick ging wieder nach vorne. Nach vorne hieß in diesem Fall HOCKENHEIM! Der Hockenheimringlauf ist geradezu prädestiniert um zum Saisonfinale nochmals so richtig einen rauszuhauen, ist ein echter Läufermagnet. Auf der Formel 1 Rennstrecke kann man ja auch eigentlich gar nicht anders. Bereits im letzten Jahr nahm ich am Rennen teil, scheiterte aber mangels Form aufgrund einer vorausgegangen Verletzung und den 400 Metern die ich zu viel gelaufen war, an einer neuen PB. Also eine offene Rechnung war zu begleichen.

In der gefühlt und von Runalyze prognostizierten besten Form des Jahres stand ich am Sonntagmorgen mit Mocki und über 1200 weiteren Bestzeitenjägern am Start. Im Glauben daran, die ersten Schleife die beim Startblock 1 gelaufen werden musste, kostet mich wieder unnötig Meter, sortierte ich mich Michael, Christoph und Bianka vom Chicken Express Running-Team in den gut 700 Meter dahinterliegenden 2. Startblock ein. Hier muss man die Schleife zu Beginn des Rennens nicht laufen.

Mein Plan war heute ganz einfach…komm ich unter 40 Min. ins Ziel…ist die Welt einigermaßen in Ordnung…komme ich in Richtung 39:08 (PB) bin ich zufrieden…laufe ich PB vielleicht sogar ganz knapp unter 39 Min….bin ich so richtig Happy! Das Ganze lief aber unter dem Deckmantel „Spass uff d´Gass“, denn ohne Spass an der Sache gibt es auch keinen Erfolg.

Aus der 2. Reihe also starte ich ins Rennen. Das Feld setzt sich in Bewegung und zieht sich schnell breit und lang auseinander. Ich orientiere mich an der „Innenseite“ und laufe gefühlt schnell los. Die Leute rasen links und rechts an mir vorbei als gäbs keine Morgen…hatte ich mich zu weit vorne eingereiht? Hmmm…naja ich blicke auf meine Garmin und sehe Pace von 3:43….ufff. Ich fühle mich zwar gut, doch das ist zu schnell. Zähneknirschend nehme ich etwas Tempo raus. Vorbei an den Zuschauern auf der Zielgeraden laufe ich noch in einer größeren Gruppe und halte schön das aktuelle Tempo von 3:53 min/km. Ich wusste zwar dass beim Hockenheimringlauf sehr viele ambitionierte Läufer am Start sind und für einen Platz in den Top 100 die 40 Minutenmarke deutlich unterboten werden muss aber diese Masse an Läufer die noch vor mir her trabten, ließen mich schon ein wenig stutzig werden. Nach dem 3 und 4 KM jedoch sortierte sich das Feld und viele konnten die anfängliche Pace nicht mehr halten. Im 3:43er Schnitt lief ich an immer mehr Kontrahenten vorbei. Es war unglaublich, ich konnte kaum fassen was ich heute für ein Pace gehen konnte. Auf der einen Seite hatte ich Schiss hintenraus einzubrechen auf der anderen Seite das gute Gefühl und einfach mal Bock volles Risiko zu gehen zu wollen. Auch der nächste KM verflog in 3:43 Minuten. 18:52 Minuten erhaschte mein Blick auf der Uhr nach 5 Kilometern….wow ich war angefixt!

So wie in dieser Situation verlief das Rennen ab dem 5. Kilometer…einfach geil! Sorry ich kann es nicht anders sagen 🙂

Überholmanöver auf dem Hockenheimring

Überholmanöver auf dem Hockenheimring

Die zweite Hälfte des Rennens wollte ich mit einem ordentlichen Schwung einläuten. Ich bekam immer mehr Oberwasser, die anderen schnaubten und pfiffen aus den letzten Löchern, während ich immer noch Tempo zulegen konnte. Unfassbare 3:38 Min. auf den 6. KM signalisierte mir die Garmin mit einem sanften brummen am Handgelenk. Jetzt nur nicht nachlassen…immer wieder nahm ich mir den nächsten Läufer der vor mir lief vor, pirschte mich heran und rauschte aus dem Windschatten vorbei. Noch nie in den letzten 5 Jahren hatte ich so ein gutes Laufgefühl. Es passte einfach alles. im 3:49er und 3:47er Schnitt ließ ich KM 7 und 8 hinter mir.

Das würde heute auf alle Fälle eine neue PB, da war ich mir sicher…jetzt noch einmal alles geben, die letzten beiden Kilometer so gut es geht hinter mich bringen, denke ich noch so bei mir. Dann sehe ich auf der Gegengeraden vor dem Ziel einen bekannten Läufer der mir dieses Jahr schon mehrmals davongelaufen war. Er war wirklich leicht zu erkennen…er ist riesig :-). Er war fertig und ich hatte den Lauf des Jahres (siehe Fotos oben). Lässig vorbei wäre übertrieben aber innerhalb weniger Meter konnte lies ich ihm das Emblem meines Chicken Express Laufshirts in sein Antlitz leuchten :-). 3:40 Minuten und der 9. KM war Geschichte. Keine Krampf, keine Schmerzen nix…ich lief als gäb es kein Morgen. Kurz vor der Zielgeraden stand noch Goran, ein bekannter Läufer der bei der ASG Tria heute als Streckenposten fungierte und mich lauthals anfeuerte. Die Zielgerade…die Zuschauer…Die Uhr im Ziel…ich sehe sie und flippte fast aus. Sie stand bei 38:20 Minuten als ich die Ziellinie überquerte. Ich konnte es kaum fassen was ich da geschafft hatte. Was für ein Rennen!

Leider hatte ich wie im letzten Jahr die Ideallinie nicht wirklich getroffen und lief deshalb auf der teils 12 Meter breiten Strecke insgesamt 320 Meter mehr. Wäre nach 10 Km Schluss gewesen stünden jetzt 37:19 als PB. Doch ich wollte nicht trauern, sondern feiern. Das war definitiv mein bestes 10 KM Rennen seit im mit diesem geilen Sport angefangen habe.  Nach dem verpatzten Marathon von dem ich mir im Voraus so viel erhofft hatte, bin ich jetzt überglücklich so ein Rennen ohne Druck und mit ganz viel Spaß, abgeliefert zu haben….das Gute kommt halt oft unerwartet. Tja, was soll ich sagen, das Leben geht oft seltsame Wege.

Ebenfalls mit am Start waren auch die Chickens Melissa, Bianka, Christoph, Elias, Emily, Edy (The Terrier), heute auf dem 5er mit Sohnemann Jens, Michael mit neuer PB und Lena. Allesamt mit hervoragenden Ergebnissen. Hier noch eine kleine Bildergalerie:

In diesem Sinne….Keep on

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