Das Jahr ist fast zu Ende und ich habe viele Momente der Freude erlebt und auch in meinen Beiträgen davon erzählt. Doch von einem noch nicht, ein besonderer Lauf, der eigentlich nur als Trainings-Wettkampf dienen sollte, er wurde am Ende überraschend zu einem meiner besten Wettkämpfe in diesem Jahr. Kein großes Tamtam aber ein paar Worte möchte zum Kraichgaulauf der im vergangenen September stattfand, auf jeden Fall noch loswerden.

Kraichgaulauf

Mit der Nummer 33-49 „schwimme“ ich zu Beginn des Rennens noch locker im Feld mit. Bild: Siegfried Lörz

Es war Ende September und die letzten Wochen der Marthonvorbereitung standen an. Kurz entschlossen meldete ich mich mit Edy beim Kraichtallauf an. 33 KM mit ordentlich Höhenmetern, das klang nach einer vielversprechenden Vorbereitung für den Bottwartal Marathon.

Um  8:30 fiel der Startschuss. Es war noch etwas frisch als sich vor der Kreutzgrundhalle die 33er und auch die 50er auf den Weg machten. Geplant war maximal ein 5er Schnitt …Trainingslauf halt. Die Ergebnisliste des letzten Jahres verriet mir bei der Pace einen Platz in den Top 20, also reihte ich mich entsprechend ein.

Zur Verabschiedung bläst uns am Ortsausgang noch eine Kapelle den Marsch. Dann ging es ab. Von Beginn an ging es bergauf und ich wollte verhalten starten. Das gelang mir nicht ganz so gut, denn 4:42 und 4:57 waren schonmal deutlich zu schnell, bergauf allemal.

Was solls dachte ich, wird sich schon einpendeln. Nach einer Weile ging es in den Wald, es ist herrlich. Die Sonne blinzelt durch das geäst und ich laufe ohne Druck. Es macht richtig Spass. Nach 23:35 Minuten erreiche ich KM 5 und damit schon fast den höchsten Punkt der Strecke. Die Pace von 4:43 min/km war so nicht geplant aber ich fühlte mich super und ließ es einfach laufen. Nicht Vollgas aber naja sagen wir es mal mit den Worten des Trainers „Mittelintensiv“ ;-).

Inzwischen hatte sich das Feld stark auseinander gezogen und ich orientierte mich an einem Läufer der so aussah als hätte er das selbe Ziel wie ich…keine Ahnung aber irgendwie bekommt man mit der Zeit dafür ein Gespür. Wir quatschten ein wenig und liefen die nächsten 5 KM gemeinsam. Er riet mir mich zurückzuhalten, da er die Strecke kennen würde und es noch heftig werden würde…..zurückhalten??? Wow… genau meine Stärke 🙂 Auf der folgenden Bergabpassage liesen wir es aber erstmal ordentlich laufen und bei KM 10 standen dann etwas über 46 Minuten auf der Uhr. Schneller wie geplant aber ich ließ mich jetzt nicht verunsichern und so langsam konnte ich auch immer mehr Läufer einsammeln die am Start losgeprescht waren wie die Feuerwehr. Wo es eben noch bergab ging es nun wieder hinauf.

Zuerst nahm ich mir vor den Anstieg nicht ganz so ambitioniert in Angriff zu nehmen, doch ein „Konkurrent“ der mir schon seit einiger Zeit durch sein ständiges angequassle gewaltig auf den Senkel ging, stimmte mich um. Ich sah zu dass ich den Hügel zügig hinauf kam. Diesen 5 KM-Abschnitt absolvierte ich dann immerhin im 4:57er Schnitt. Zur Belohnung wartete oben die Verpflegungsstelle. Trinken, Banane rein und ab durch die Mitte.

Kraichgaulauf

Ordentlich Höhenmeter waren beim Kraichgaulauf zu überwinden

Meine kleine „Tempoverschärfung“ am Anstieg hatte zur Folge dass ich mich freigelaufen hatte und sowie hinter mir keiner mehr zu sehen war. Ich lief also einfach drauf los. Ich war guter Dinge und stand noch voll im Saft, es passte einfach alles. Nach kurzer Zeit lief ich auf einen Ultraläufer auf, genauer gesagt auf Victor Goncalves, den späteren 2. platzierten den 50 KM Laufs. Wir sahen uns kurz an, ein nicken, „hallo, alles klar? …prima Tempo….klasse Strecke…super Wetter“. Das ganze bei einer Pace von 4:25 min/km bergab in Richtung Neckarbischoffsheim. Zwei Kilometer später löste ich mich von ihm und lief weiter bis ich den nächsten in gut 200 Meter Entfernung vor mir sah.

Ein etwas älterer Läufer der ein gutes Tempo drauf hatte lockte mich an. Ich konnte einfach nicht anders als das Tempo leicht zu erhöhen um auflaufen zu können. Unten im Tal kurz vor KM 20 war es dann soweit. An der Verpflegungsstelle kamen wir gemeinsam an. Wieder ein höfliches „Hallo“ und weiter ging es. Gemeinsam nahmen wir den nächsten kürzeren Anstieg in Angriff. Ich wollte mich absetzen…ging aber nicht, er war zäh der Hund :-). Oben angekommen plagte mich ein dringendes Bedürfnis. Normal kein Thema, war ja nur ein Trainingslauf, doch inzwischen hatte sich das ganze etwas hochgeschaukelt und ich wollte mehr.

Nach meinem kurzen Austritt war mein Rivale ein gutes Stück entfernt. Ich brauchte wirklich fast 2 KM um ihn wieder einzuholen. Doch als ich dran war, gab er sich geschlagen. „Dann lauf halt….viel Erfolg!“ rief er mir hinterher 🙂 Geil…ich liebe solche Situationen. Nach 1:57 Std. passierte ich das 25 KM Schild. Beim letzten Abschnitt hielten sich die positiven und negativen Höhenmeter fast die Waage. So was nun? Locker weiterlaufen oder einen Schritt zulegen und zu den nächsten aufschließen? Es war zwar noch niemand zu sehen aber hinter Kurven und Hügel….wer weiß…? Also was solls, Feuer frei! Was soll ich sagen nach ein paar Minuten tat sich ein 3er Grüppchen vor mir auf, wie schön….hächel…

Als ich die Gruppe mit einem Gruß im 4:05er Schnitt überholte, war deren Verblüffung mehr als deutlich zu spüren. Ich fühlte mich wie auf Wolke 7. Ich hatte immer noch mächtig Dampf in den Beinen und von Krämpfen oder anderen Wehwehchen keine Spur. Wie habe ich mal gelesen…“Wenns läuft, lass laufen!“. Diese Worte kamen mir in den Sinn. Inzwischen war ich mir sicher in die Top Ten gelaufen zu sein, vielleicht sogar auch mehr.

Noch einmal folge bei KM 28 ein letzter fetter Anstieg, doch der hielt mich heute nicht mehr auf. Oben angekommen gab es nur noch eins, Vollgas! Jetzt wollte ich alles. Dann kam es, das Geschenk! Nochmals ein kleines süßes 3er Grüppchen. Die zwischenzeitlich hochroten Gesichter kannte ich noch vom Beginn des Rennens…das war die Abteilung Attake. Ich pirschte mich heran und flog förmlich an Ihnen vorbei. Einer nahm die Gelegenheit beim Schopfe und hängte sich für gut 200 Meter an mich, doch meinem Tempo von 4:03min/km konnte er nicht mehr standhalten und ließ abreißen.

Kraichgaulauf

Voller Einsatz! Die wegweisende Trommlerin Bild: marathon4you.de

Vorbei an der wegweisenden Trommlerin und dann nur noch herab ins Ziel. Die letzten Kilometer vergingen wie im Flug. In 3:34 und 3:46 Minuten absolvierte ich die letzten beiden des Rennens.

Meine Haare an den Armen stellten sich auf als ich unter Applaus des Publikums nach einer Zeit von 2:33:46 Std. über die Ziellinie lief. Ein Wahrer Gänsehaut Moment! Der 4. Gesamtplatz war die Belohnung für mein besteingeteiltes Rennen im Jahr 2015.

Kraichgaulauf

„Mit so einem Lächeln ist heute noch keiner durch das Ziel gelaufen,“ sagte mir die Dame, die mir die Medaille umgehängt hatte. Es ging einfach nicht anders, selbst in der Dusche der Kreutzgrundhalle bekam ich das Grinsen minutenlang nicht mehr aus dem Gesicht. Einfach geil! Das es am Ende nicht auf das Treppchen gereicht hatte war mir in diesem Fall so was von Wurscht. Was als lockerer Trainingslauf begonnen hatte, endete in einem perfekten Rennen, bei dem ich soviel Spaß hatte wie lange nicht. Edy war ebenfalls sehr erfolgreich und beendete den Lauf unter 3 Stunden und wurde Gesamt 30ster.

Eins ist klar, 2016 bin ich wieder am Start aber aller Voraussicht nach auf den langen Kanten. Ultra ich komme 🙂

In diesem Sinne….Keep on

 

 

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