Mal wieder lässt mein Laufbericht lange auf sich warten aber jetzt ist es soweit…nach zwei Wochen 🙂

Am vorletzten Sonntag stand ich morgens um 10:00 Uhr mit 16.000 Gleichgesinnten  am Start des 35. Mainova Frankfurt Marathon neben dem Hammeringman. Ich nehme´s vorweg, es war das letzte Mal an diesem Tag, dass mir der Mann mit dem Hammer begegnete. Es war bereits mein 11ter Marathon und dieser sollte etwas besonderes werden. Sturm, Regen und eine übermütige Renntaktik hatten mich hier vor 3 Jahren kläglich scheitern lassen. Gezeichnet von Krämpfen und vom „Hammermann“ erschlagen schlich ich enttäuscht über den roten Teppich. Es folgten kleinere und größere Verletzungen sowie falsche Einschätzungen, die mich bei meinen Marathons immer wieder ausgebremst hatten. Doch dieses Mal sollte alles anders werden. Trainingsumstellung (Plan von Andreas Butz) weniger Gewicht und weniger Nutella  😉 sollten ihren Teil dazu beitragen.

Um jeglichen Stress zu vermeiden, entschlossen wir uns bereits am Samstag nach Frankfurt zu fahren. und nach der Marathonmesse und Italiener im Hotel unweit der Messe zu übernachten. Unser Chicken Express Running-Team war diesmal mit Christoph, Michael und mir vertreten.

Die Marathonmesse

Kaum die Messe betreten, trafen wir auch schon auf eine weitere Karlsruherin. Die Rennschnecke, die mit ihrer Triathlongeschichte im Sommer mal kurz für Wirbel in der Szene gesorgt hatte und ihr „Freund Triathlet“ Marcus Weihrauch,

Doch an diesem Wochenende gehörte die Aufmerksamkeit den Herren der Schöpfung. Die Startnummernabholung um 15:00 Uhr war keine so gute Idee. Die 8 „Schalter“ waren maßlos überfüllt und wir standen eine halbe Ewigkeit in der Schlange. Naja selbst schuld. Das anschließende Geschlender über die Marathonmesse war dann aber ob der ganzen Läuferprominenz doch sehr kurzweilig. Am Stand von Florian Neuschwander lümmelte gerade die Mocki rum und war ganz entspannt für ein Bildchen mit meiner Frau zu haben. Auch der Flo tat sich mit einer seiner gekonnten Grimassen überhaupt nicht schwer. Am        Runner´s Stand streckte Arne Gabius neben Martin Grüning sein „Bäuchle“ in die Menge und war für kurze Zeit ein wirklich sehr netter Gesprächspartner.

Geschwind huschten wir fünfe noch mit Sack und Pack zur Pastaparty damit auch der Nudel-Gutschein nicht ungenutzt blieb. Nach einem Verdauungsspatziergang zum vorreservierten Italiener gönnten Claudi, Chrisi und ich uns noch eine ordentliche Portion Kohlenhydrate in Form einer gepflegten Pizza.

Der Marathon

Die Nacht war sehr gut und der Ausblick aus dem Hotelfenster versprach ein oberhammermonstermäßiges Wettkampfwetter. Was sollte da noch schief gehen? Nix! Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Start. Hier trafen wir noch auf Micha, der erst heute morgen samt Gattin angereist war. In der Halle gab´s dann noch ein obligatorisches Pre Race-Foto, bevor es in die Startaufstellung ging.

10:00! Der Startschuss knallt und mein Rennen begann in der Mitte des 2. Startblocks. Mit einer geplanten Zielzeit von 3:05 Stunden ging ich ins Rennen. Ich fühlte mich topfit, war gesund und das Wetter konnte dieses Mal nun wirklich nicht als Ausrede herhalten. Die Taktik war klar, die ersten 5 KM gaaaaanz locker bleiben und dann steigern. Wenn möglich vielleicht sogar einen negativen Split laufen. Die ersten 5 Kilometer durch die Frankfurter Innenstadt liefen nicht wie geplant, denn wie immer sortierten sich sehr viele Teilnehmer nicht ihrer Leistung nach im Feld ein. Die Folge war eine unentwegte Überholerei…links vorbei….rechts vorbei…dann wieder gar nicht vorbei, zum heulen war`s. Schon nach kurzer Zeit hatte ich 200 Meter und mehr auf der Uhr als es eigentlich sein sollten. Nun konnte ich mich daran aufhalten oder einfach mein Ding laufen und fertig. 22:15 Minuten waren verstrichen als ich die erste Zeitmessmatte überquerte. Ok, alles noch im Rahmen.

Kilometer sammeln

Die nächste Zeit hieß jetzt einfach mal Kilometer sammeln und den Marathon so gut es geht „genießen“. Nach 10 KM Zickzack laufen, lag ich mit 44:19 Minuten etwas über der geplanten Zeit aber ich wollte noch nicht schneller laufen. Zu viel Respekt hatte ich vor den Kilometern 35-40. Ich hatte immer noch das Gefühl richtig auf die Tube drücken zu können aber die Vernunft siegte. Bis KM 15 steigerte ich mein Tempo dann doch etwas und als ich den ersten Halbmarathon nach 1:33:13 Stunden im Sack hatte, lag ich nur wenige Sekunden hinter dem Plan. Wenn ich also nun den zweiten Halbmarathon etwas schneller laufen würde, sollte mein Plan aufgehen.

Der echte Marathon

Bei meinen Durchlaufzeiten bei KM 25 und 30 lag ich immer noch mit der gleichen halben Minute in Soll die mich seit Beginn verfolgte. Auch auf meiner Garmin sammelten sich nun deutlich mehr KM an wie mir lieb war.  500 Meter hatte ich schon mehr. Die Pace auf meiner Uhr lag wie geplant bei 4:23 min/km aber das passte nicht mehr zur realen Strecke. Schöner Mist! Bis zur 35 KM Marke konnte ich nochmals ein Tempo von 4:25 min/km gehen, bevor dann der „echte Marathon“ begann. Diese 7 KM….ja sie tun einfach weh, da gibt´s kein wenn und kein aber! Egal wer auf eine Bestzeit aus ist, ob nun Profi oder Hobbyathlet erlebt vermutlich die gleichen körperlichen Schmerzen.

Gekämpft wie ein Löwe

Meine Salztabletten, die ich schon seit KM10 alle regelmäßig schluckte taten ihren Dienst. Bislang hatte ich immer mit Wadenkrämpfen zu kämpfen, doch diesmal blieben sie aus. Geil! Nichts desto trotz tut irgendwann jeder Schritt weh, da halfen auch die Anfeuerungsrufe der Zuschauer nicht mehr weiter. Meine Motivation war aber immer noch sehr hoch, denn ich wollte es so sehr….ich wollte so sehr eine neue DEUTLICHE BESTZEIT! Also kämpfte ich….ich kämpfte wie ein Löwe….Zähne zusammengebissen lief ich durch die Videokameras, die einen alle paar Kilometer aufzeichneten, um einem später selbst zu zeigen wie toll man doch gelaufen war…heieiei…ich werd die lieber nicht gucken 🙂

Nichts ist umsonst

Dann endlich ist es soweit. Ich biege ein auf die Mainzer Landstraße. Einen Blick für die Zuschauer und die Umgebung überhaupt habe ich jetzt nicht mehr. Ich bin im Tunnel. Einen Fuß vor den anderen, immer nur den nächsten Läufer oder Läuferin im Auge. Im Gegensatz zu vielen anderen Teilnehmern um mich herum breche ich nicht ein, NEIN heute nicht! Viele kann ich auf den letzten beiden Kilometern noch überholen. Schmerzen….Schmerzen…meine Oberschenkel taten mir so weh. Nicht mal beim Fidelitas Nachtlauf über 80 KM war es so schlimm, doch ich versuchte nicht daran zu denken. Schublade auf… Schmerzen rein,…Schublade zu :-). Das klappte zwar nur bedingt aber immerhin. Die Schmerzen würden jedoch nicht umsonst sein…denn nichts ist umsonst. Für all die Mühen im Training wollte ich mich heute belohnen…immer wieder stellte ich mir vor meinem inneren Auge den Zieleinlauf vor. An nichts anderes dachte ich jetzt mehr.

„Gud Stubb“

Ein Kilometer war zwischenzeitlich noch zu laufen. Vor 3 Jahren erlebte ich an dieser Stelle meinen Supergau. Von Wadenkrämpfen geplagt, musste ich stehen bleiben und ausdehnen während die Zeit unaufhaltsam verstrich. Das war richtig übel und hatte mir bis heute nachgehangen. Jetzt aber stand ich kurz vor dem Zieleinlauf und von Hammermann und Krämpfen keine Spur. Die beiden letzten Kilometer war ich nochmals im 4:27er Schnitt gelaufen. Mit einer Mischung zwischen Zähnefletschen und Grinsen im Gesicht lief ich in die „Gud Stubb“ ein. Dann die letzten Meter über den roten Teppich, einfach genießen. Mit Gänsehaut und überglücklich lief ich nach 3:06:59 Stunden über die Ziellinie. Meine Persönliche Bestzeit vom Frühjahr hatte ich heute um knapp 4 Minuten unterboten.

Geweint vor Glück

Nach dem Zieleinlauf und der After Race Verpflegung, ging ich zurück in die Messehalle in der meine Frau und die Rennschnecke mitgefiebert hatten und auf uns warteten. Nach einem Abklatscher fiel ich meiner Frau in die Arme und hab einfach nur noch geweint vor Glück.

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