……“Du immer und deine Lauferei!“….“Immer bist du unterwegs!“….“Nie hat man mal Zeit für was anderes!“….Ja liebe Leserschaft, das Leben eine Läufers dessen bessere Hälfte nicht läuft ist oft beschwerlich…um nicht zu sagen sehr beschwerlich. Noch vor 3 Jahren flogen mir obige Sätze wie die Fliegen um die Ohren, doch jetzt ist damit Schluss! Im Herbst letzten Jahres fiel Claudia´s Entscheidung ihren ersten Marathon zu laufen – den Bonn Marathon!

Die Bedeutung ihres frommen Wunsches wurde mir nach anfänglicher Euphorie und Stolz erst etwas später klar. Marathontraining geht nunmal nicht so nebenbei, das bedeutete dass der Alltag zu Hause neu organisiert werden musste. Eingekauft wurde an lauffreien Tagen, Artzbesuche mit den Kindern wurden so gelegt dass der Trainingslauf bloß nicht verschoben werden muss…und und und…aber alles war irgendwie machbar. Kleines Hindernis an der Geschichte war noch, dass mein Herzblatt in der „dunklen Jahreszeit“ nicht alleine läuft. Das hieß, WIR (unsere beiden Töchter und ich) und Anni oder Bianka mussten immer mitlaufen. Doch gemeinsam haben wir es hinbekommen, der Wunsch Marathon zu laufen nahm am Ende jede Hürde. Auch den Trainingsplan ihres Trainers Andrè Weinand konnte sie mit viel Motivation und ohne Verletzungen nahezu zu 100% umsetzen.

Unser Chicken Express-Marathon-Team

Die Zeit verging mal wieder wie im Flug und ehe wir uns versahen stand der Bonn Marathon vor der Tür. Ich hatte mich entschlossen in Bonn auf einen ambitionierten Marathon zu verzichten und dafür meine Frau zu begleiten. Mit am Start von unserer Laufgruppe war Rosa, die ebenfalls ihren ersten Marathon vor sich hatte, Hannes der auf eine neue PB aus war, Anni war für den Halbmarathon gemeldet sowie Michael der aber dieses Mal für seinen Arbeitgeber (die Post :-)) am Start war.

Kurzentschlossen…Anni läuft Marathon

Der Start

Samstag – Check in im Hotel…der Portier, „Frühstück gibt´s ab 7:30h“…ähm…HALLOOOO…..wir laufen Marathon! Der Halbmarathonstart war ja schon um 8:45h, das würde für Anni niemals reichen. Da meint Anni, „dann lauf ich halt den Marathon mit Claudi!“…Rumms! Der hatte gesessen. Was soll ich sagen, wir hin zur Startnummernausgabe, Startunterlagen geholt, Anni sich kurz auf die Marathondistanz umgemeldet und fertig. Während wir anschließend beim Abendessen zusammensaßen wurde auch Anni die Tragweite ihrer Entscheidung immer mehr bewusst und das Hosenflattern begann.

Unser Trio kurz vor dem Start

Sonntagmorgen bei strahlendem Sonnenschein standen wir also nun zu dritt an der Startlinie. Bewaffnet mit Selfistick und Smartphone begleitete ich die beiden Debütantinnen bei ihrem ersten Mal  🙂 Der Startschuss hallte und wir setzten uns langsam in Bewegung. Langsam wich dann auch endlich die Aufregung der beiden, jetzt wurde einfach nur noch gelaufen um die Ernte für das harte Training einzufahren. Die ersten paar Kilometer war ich mehr Brems- als Zugläufer aber das ist normal, der Körper voller Adrenalin und kraftstrotzend nach der Regenerationsphase, da will man einfach nur loslaufen. Der Plan war einfach nur ankommen, wenn möglich aber unter 5:30h  😉

Nach einer Weile hatten wir uns eingegruft und passierten nach ca. 38 Minuten die 5 KM-Marke. Bislang lief alles nach Plan. Das Wetter war bombastisch, für uns Läufer allerdings schon fast zu warm. Da der Marathonstart in Bonn erst um 10:30h ist und wir mit fünfeinhalb Stunden planten, liefen wir also direkt in der sehr warmen Phase an dem Tag. Nunja, gejammert wurde nicht, sondern wie an einer Schnur gezogen wurden die Kilometer abgespult. Nach dem Wendepunkt ging`s wieder zurück in Richtung Kennedybrücke und dann entlang des Rheinufers. 10 KM waren im Sack und 1:17h waren vergangen. Der Pacemaker machte wohl einen super Job  🙂 . Die Stimmung an der Strecke tat ebenfalls ihr Gutes dazu. Für mich selbst war das heute mal Bonn intensiv erleben…und das 2 mal. Der Halbmarathonkurs x 2 = Bonn Marathon.

Brücken sind nicht allzu beliebt, doch für uns kein Problem…zumindest bergab 🙂

Halbmarathon – Check

Mit meiner Fotogafiererei und filmerei konnte ich das ganze zwar etwas kurzweiliger gestalten doch nichts desto trotz zog sich die Strecke an manchen Stellen ganz schön hin. Gerade auf dem Abschnitt zwischen KM 13 und 17 hätte man sich etwas mehr Stimmung gewünscht, vor allem dann auf der 2. Runde. Soweit waren wir aber noch lange nicht. Vorbei am Langen Eugen und an der Villa Hammerschmidt kamen wir der Halbmarathonmarke immer näher und natürlich waren wir auf Kurs….aber sowas von! 2 Stunden und knapp 43 Minuten waren vergangen als wir die Hälfte des Rennens hinter uns hatten.

Claudi und Anni…auch auf der 2. Hälfte immer noch locker

Mit Schwung und Elan ging´s in die zweite Runde. Die Stimmung bei unserem Trio war sehr gut und die Mädels machten das wirklich toll. So langsam aber sicher kam aber nun das Niemandsland bei einem Marathon. Von KM 22 bis 32 ist irgendwie einfach durchbeißen angesagt. Es ist einfach noch zu weit um zu sagen es ist bald geschafft. Also für gute Stimmung sorgen, Blödsinn reden, motivieren und manchmal einfach nur da sein. Noch einmal bei KM 29 über die Kennedybrücke, wieder am Rhein entlang, vorbei am Post Tower und dann war KM 35 erreicht. So langsam aber auch nur so ganz langsam hatte ich das Gefühl dass Claudi etwas nachlässt. Doch weit gefehlt…sie biss sich durch als gäb es kein Morgen. Für Anni war die Pace (HM Bestzeit von 1:49h nicht das Problem, doch die Zeit auf den Beinen setzte auch uns beiden zu. fas 4 1/2 Stunden waren vergangen und die Sonne kannte kein erbarmen. Erst jetzt schoben sich einige Schönwetterwolken vor das Zentralgestirn.

Ein letztes mal den Wendepunkt auf der Ludwig-Erhard-Alle hinter uns gebracht, liefen wir in Richtung Innenstadt. Kein Murren, kein Knurren…..nichts aber auch garnichts kam von Claudi. Natürlich sah sie aus wie nach einem überlebten Flugzeugabsturz aber tut sie meist schon nach 4 Kilometern…also nichts außergewöhnliches  :-). Als wir dann auf der Willy-Brand-Alle am KM 40 Schild vorbei liefen, liefen auch langsam die Tränen. Das Gefühl….“ich hab´s gleich geschafft“…wurde immer stärker. Grund zur Sorge gab es auch nicht. Den Schlussläufer gaaaaaannnnz weit hinter uns gelassen und das Ziel für das sie 16 Wochen so hart trainiert hatte vor Augen.

Das Ziel – Marathon

Emotionaler Zieleinauf…WIR sind Marathon

Jetzt wurde es emotional, wir liefen am Münster vorbei und am KM Schild 42! Die letzten Meter des Zieleinlaufs. Immer noch standen viele Zuschauer am Streckenrand und jubelten uns zu. Dann war er da, der Moment der doch ein wenig einen anderen Menschen aus einem macht. Nach 5:27:05 Stunden überquerten wir überglücklich zu dritt das ersehnte Ziel. Punktlandung! Ich bin sooooo unendlich stolz auf meine liebe Claudi. Was für eine Meisterleistung. Unglaublich ist auch was Anni da gemacht hat….HM angemeldet und Marathon gelaufen, nur weil das Frühstück zu spät serviert wurde…. Ich kann Euch beide an dieser Stelle nur nochmals beglückwünschen. Das Erlebnis und dieser besondere Moment wird euch für immer bleiben. Glückwunsch auch an Rosa die ihren ersten Marathon ebenfalls phänomenal gefinisht hat.

……“Du immer und deine Lauferei!“….“Immer bist du unterwegs!“….“Nie hat man mal Zeit für was anderes!“ Nein, diese Sätze werde ich wohl nie mehr hören. WIR haben es geschafft!

Zwei neue Marathonis gibt es nun auf der Welt

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