UltraTrail statt Frühjahrsmarathon, Vogesen statt Großstadt – Mein Focus lag in diesem Frühjahr auf dem Défi des Seigneurs einem UltraTrail in den Nordvogesen über 74 KM und 2600 Höhenmetern. Hart aber Herzlich, so kann man den Lauf wirklich sehr gut beschreiben, nicht zuletzt wegen der tollen „Medaille“ in Herzform aus Sandstein. Auf meiner Jagd nach Bestzeiten auf den verschiedensten Marathonstrecken in Deutschland bin ich meinem Ziel die 3 Stundenmarke zu knacken zwar schon nahe gekommen, jedoch hat es trotz großem Trainingsaufwand noch nicht ganz sollen sein. Also…wie heißt es so schön „Wenn du das was du tust dich nicht weiterbringt, dann tu etwas völlig anderes anstatt mehr vom gleichen Falschen!“ Vom Trailrunning bin ich durch meine Teilnahmen am PfalzTrail zwar schon länger angefixt, doch erst in diesem Jahr schien mir der Zeitpunkt gekommen um die Blueline mal zu verlassen und mich abseits des Asphalts auf Pfaden, durch die Wälder, über  Stock und Stein mit den Läufern zu messen. In Niederbronn les Bains bei den Vosgirunners hab ich den Einstieg in die tolle Welt des Trailrunnings gewagt und mich auf die „Burgherrenrunde“ gewagt.

Das obligatorische Startnummerndrangepfriemel

Am Samstagmorgen um 4 Uhr schmeißt uns der Wecker aus dem Bett. Während ich noch dachte mich tritt ein Pferd hatte ich  auch schon die Zahnbürste im Mund war in Gedanken schon auf dem Trail. Meine Frau begleitete mich an diesem Tag und wir fuhren pünktlich in Richtung Niederbronn. Die 4000 Einwohner große Ortschaft ist nur eine Stunde von uns entfernt was also eine morgendliche Anreise ohne größere Probleme möglich machte. In der Turnhalle spüre ich schon eine ganz andere Atmosphäre als bei einem „normalen Marathon“. Sehr herzlich und liebevoll ging man miteinander um, ich fühlte mich sofort wohl. Kurz die Startunterlagen abgeholt, Nummer drankgepfriemelt, Trailschuhe an, Rucksack auf und dann ging´s auch schon raus in das Stadion. Nach einer kurzen Ansprache auf französisch und deutsch fiel dann ohne viel Tamtam der Startschuss. Einmal ums Stadionrund, raus auf die Piste auf dann ging´s auch gleich mal ordentlich bergauf….wär hätt´s gedacht  🙂 .

Mein Plan war klar, erstmal zurückhalten. Vor allem wollte  ich bei den Bergaufpassagen anfangs keine unnötige Kraft verschwenden also sortierte ich mich nach Gefühl in die Gruppe ein die ich vom Tempo her für richtig hielt. Viele liefen noch dick eingepackt los, ich verzichtete jedoch bewusst auf eine Laufjacke an dem frühen morgen. Naja man muss auch kein Prophet sein um zu wissen dass einem nach dem ersten Anstieg die Suppe läuft. Schon zu Beginn des Rennens war ich wie geflasht, was für eine geile Strecke…meine Entscheidung einen UltraTrail im Frühjahr zu laufen bestätigte sich auf Anhieb.

Zunächst schwimme ich im Feld mit, bergauf, bergab, bis wir nach 7 KM die erste Ortschaft Jägerthal erreichen. Einmal kurz die Straße überquert und schwupp ging`s wieder rein in den Busch  🙂 . Eine kleine Gruppe von 7-8 Leuten bildete sich um mich und wir liefen meines Erachtens doch recht flott…soll ich…soll ich nicht?…ich soll! Ich bleibe dabei und versuche mich an meine Stärken zu erinnern…Auf einem schmalen Pfad geht es einen üblen Anstieg rauf ehe wir dann ein kleines Stück auf Asphalt leicht bergab dahincruisen. Zwischenzeitlich wurden wir auch das erste mal gescannt. Bei cnn.livetrail.net konnte man das Rennen online verfolgen. Bei Kilometer 18 erreichen wir dann das Dörflein  Mattstall…die Leute mähen den Rasen und wurschteln vor sich hin während sie uns vorbeiflitzen sehen. Bislang waren die Temperaturen noch recht angenehm so dass auch mein Trinkvorrat in den Flaks von insgesamt einem Liter völlig ausreichte. Bis zur ersten Verpflegungsstelle waren es noch ca. 6 KM. Nach etwas über 24 Km war es dann auch soweit, die Verpflegungsstelle 1 tauchte kurz nach Lembach im Wald auf. Dort heißt es dann vor allem futtern und trinken. Nachdem ich meine Triankflaschen nachgefüllt hatte schob ich mir einige Salzbrezeln, Käse, Bananen, süßes Brot und getrocknete Aprikosen rein, bevor ich mich  auf die nächste Etappe bis KM 45 machte.

Hier auf einem kurzen Asphaltabschnitte durch eines der Dörfer

Die Gruppe wurde bei der VP1 leider auseinander gesprengt, so dass die restlichen 50 KM wohl etwas einsamer verlaufen würden. Natürlich lief mal einer 100 Meter weiter vorne und auch mal einer 40 Meter weiter hinten doch letztendlich lief jeder für sich alleine. Ein Umstand der mich später noch einiges lehren würde. Als nächstes folgte wieder ein steiler Aufstieg auf den Riegelsberg gefolgt von einem Bergabstück um im Anschluss daran wieder stetig bergauf zu laufen. So ging das den ganzen Tag lang….ein toller Trailabschnitt brachte mich dann bei KM 33 zur Burgruine Fleckenstein. Es war einfach wunderbar hier, die Sonne schien durch den lichten Buchenwald und ich war wirklich wie im Rausch der Sinne.

Im Trailfieber…Herrliche Trails auf der „Herrenrunde“! Das Bild täuscht…es geht mächtig bergab

Zwischenzeitlich schien die Sonne immer stärker und es wurde zusehends wärmer. Ich trank Wasser aus meinen Flaks und nahm zwischendurch auch ein Gel. Bis zur nächsten VP waren es noch über 10 KM. Was dann folgte war mein erstes Tief….zwischen Kilometer 40 und 45…..Meine Wasservorräte waren am Ende und die Sonne knallte erbarmungslos in mein Gesicht. Ein nicht enden wollendes Waldwegstück, welches immer leicht bergauf ging raubte mir den letzen Nerv…“Oh mann“…dachte ich das wird eine ganz heiße Kiste zum Ende hin.

Ich weiß nicht wie aber irgendwie erreichte ich zwischen KM 44 und 45 die nächste Verpflegungsstelle. Die Hemmschwelle war überschritten und ich schüttete mir das Trinkwasser zur Abkühlung über den Kopf. Danach haute ich mir alles rein was da war, sogar Cola trank ich um wieder auf die Beine zu kommen. Das Zeug verfehlte seine Wirkung nicht, denn nach kurzer Zeit war ich wieder voll da und hochmotiviert. Kaum wieder auf den Beinen ging es mal wieder ordentlich bergauf….vorbei an der Burg Schöneck und Schnur stracks auf die 50 Kilometermarke zu. Zwei Läufer die lange Zeit vor mir lagen konnte ich zwischenzeitlich überholen und schlich mich heimlich still und leise von meinem 49igsten Platz auf Gesamtrang 47….wooohooo…ein geiles Gefühl. Anfangs noch skeptisch über das Tempo war ich nun immer mehr davon überzeugt die für mich richtige Renntaktik eingeschlagen zu haben. Naja noch war ich ja nicht im Ziel aber die restlichen 24 Km sollten doch zu schaffen sein. Meine geplante Zielankunft um ca. 14:30 hatte ich längst begraben. Zuviel Unbekanntes gab es, die ich vor dem UltraTrail nicht bedacht hatte. Nach einem weiteren steilen bergab Trail und einem kurzen entspannten Stück erreichte ich den nächsten Verpflegungspunkt bei KM 56.

Sich die Kräfte gut einzuteilen ist bei einem UltraTrail noch wichtiger als beim Stadtmarathon. Lange Zeit vor mir, konnte ich mit viel Durchhaltevermögen zwei weitere Läufer hinter mir lassen.

Mittlerweile waren waren knapp über 6 Stunden vergangen und ich hatte noch 19 Km vor mir….doch diese hatten es gewaltig in sich. Der größte Berg und heftigste Anstieg lag bei KM 62 vor uns. Klar wusste ich das vorher aber drüber musste ich trotzdem. Gemeinsam mit einem weiteren Läufer erklimme ich den Berg bis hinauf zum Aussichtsturm zu dessen Füßen sich dann auch die letzte Verpflegungsstelle befindet. Es ist fast geschafft, nach knapp 66 Km und über 2300 Höhenmetern sollte es nun größtenteils nur noch bergab gehen. Noch einmal die Speicher aufgefüllt und dann ab durch die Mitte.

Der letzte Scan und dann abwärts in Richtung Ziel

Die letze Zeitmessung und schups spülte es mich von Platz 47 auf Platz 42. Während ich mich auf den Bergabtrail freue schreitet von hinten…Huuuhhuu!!!….UPS…was war das…??? Hoppla…noch vor der 1. Frau überholt worden…hhhmmpppfff  🙁  Ich versuchte dran zu bleiben doch bergab war die Frau ne Wucht. Die technisch etwas anspruchsvolle Bergabpassage nahm sie als hätte sie Flügel. Ich hingegen musste stark das Tempo rausnehmen. Meine Muskulatur brannte wie Feuer. Die Oberschenkel schienen fast zu platzen…ich war nun wirklich an einem Punkt an dem ich noch niemals zuvor war. Mental war das sehr schwer und auch körperlich kam ich langsam aber sicher an meine Grenzen.

Zum Schluss ging es dann zwar zumeist runter aber immer wieder kamen kurze Anstiege. „Herrgott nochmal hört dass denn nie auf!“…Ich wollte bei aller Schönheit der Natur und des riesigen Spaßes der mir der UltraTrail gemacht hatte nun einfach nur noch ins Ziel. Jeder Knochen und jeder Muskel im Köper meldete sich zum Schluss zu Wort. Dann endlich noch 2 Kilometer und ein SingleTrail durch Fichten, Tannen oder was auch immer, es war einfach nur noch paradiesisch. Vor mir taucht ein KM vor dem Ziel ein Läufer auf den ich seit der letzten VP verloren hatte. Er hängte sich an die 1. Frau und versuchte mit ihr zu laufen, ging wohl nach hinten los…grins  😀 . Wir begrüßten uns kurz und liefen gemeinsam den letzten Kilometer. Dann der Ehrgeiz…er zog nochmals an, ich blieb dran. Noch 400 Meter bis ins Ziel, ein letzter kurzer Anstieg der uns beiden den Atem raubte und schließlich ging´s bergab zum Zieleinlauf in die Turnhalle. Schei…..egal…lauf doch! Ich ließ in ziehen und genoß die letzen Meter, den Applaus und die Anerkennung der Zuschauer die vor der Halle im Gras die Sonne genossen. Ich war glücklich und lief mit der allergrößten Gänsehaut die ich jemals hatte über die Ziellinie. Nach 8 Stunden 21 Minuten und 5 Sekunden hatte ich meinen ersten UltraTrail gefinisht. Was für ein Wahnsinns Gefühl.

Körperliche und mentale Erschöpfung im Ziel

Überwältigt von den Anstrengungen und den Gefühlen musste ich mich erstmal ein paar Minuten erholen. Das war das Schönste und gleichzeitig das Schwierigste was ich bisher erlebt hatte. Gelernt habe ich, dass die mentale Geschichte nicht zu unterschätzen ist und auch die ständige Konzentration auf den Untergrund um nicht zu stürzen ist auf die Dauer sehr anstrengend. Das schnelle Bergablaufen machte mir am Ende arg zu schaffen. Es bleibt also noch viel zu tun bis zum 18. Juni. Der Zugspitz UltraTrail über 101 KM mit insgesamt 4500 Höhenmetern wird dann mein absolutes Highlight in diesem Jahr werden. Jetzt wird sich aber erstmal noch eine Weile gefreut wie ein Schneekönig….Défi des Seigneurs ich hab dich in der Tasche ….und zusätzlich mal kurz 4 Qualifikationspunkte für für den UTMB  😎

Glücklich aber fix und fertig im Ziel

%d Bloggern gefällt das: