Beim Zugläufer, der sich gerne auch als Pacemaker oder Tempomacher bezeichnet, handelt es sich im allgemeinen um eine eher seltene Spezies. Sie leben in allerregel isoliert und abgelegen vom Rest der Welt, um sich dann aber 2, 3 oder 4 mal (manche sogar noch öfter) im Jahr in die Öffentlichkeit zu wagen um die restlichen Lebewesen der Gattung „Läufer“ anzuführen. Über eine Strecke von meistens 42.195 Meter ziehen sie die Meute hinter sich her. Manchmal hetzen sie in 2:59 Stunden durch die Großstädte unserer Erde und gelegentlich eilen sie auf Schusters Rappen durch herrliche Wälder und sanfte Hügel um mit ihrem Gefolge nach 4:29 Stunden in den begehrten RunnersHeaven einzuziehen. Nicht selten versorgen die meist erfahrenen Alphatiere ihre Anhänger mit  einem ordentlichen Schub Motivation, mit Tipps, Ratschlägen und manchmal auch mit lustigen Geschichten. Doch nicht jedes dieser Wesen ist ein so geschwätziger Weltumarmer, manche galoppieren auch an der Grenze zum Autismus, stoisch wie ein Uhrwerk in einer zuvor filigran ausgetüftelten Geschwindigkeit mit beidseitigen Scheuklappen über den Asphalt. Ein gutes bzw. sehr gutes Exemplar dieser Individuen vereint diese Eigenschaften und macht sich so zu einer seltenen Spezies innerhalb einer seltenen Spezies. Es erfreut sich im Reiseziel an zahlreichen Schulterklopfern, Dankesreden, Wangenschmatzern und Lobeshymnen. Jedoch hat auch diese Art Wesen während seines Einsatzes mit allerlei Widrigkeiten zu kämpfen, was manchmal am Ende zu einem nicht erreichen der geplanten Zielzeit und in einer nahezu läuferischen Katastrophe endet . Der Unmut der Leidtragenden Begleitung spiegelt sich dann manchmal recht schnell in verbalem Kopfschütteln nieder oder er tut sich einige Stunden später in den sozialen Medien in Form von leisem Geflüster…“kann ja mal passieren“, bis hin zu Fachbegriffen die völliges Unverständnis ausdrücken kund. Es gibt hier also nur Schwarz oder Weiß! Wer sich der seltenen Spezies Zugläufer – Pacemaker – Tempomacher anschließen möchte sollte das wissen.

Seit diesem Jahr gehöre ich nun auch zu diesen Menschen, die Übermotivierte bremsen und Bestzeitenjäger über die Marathondistanz ziehen….und ich sage euch das macht richtig viel  Spass :-). Mit bunten Luftballons oder Fähnchen die in Rucksäcken stecken läuft man alleine, mal zu zweit oder auch zu dritt in der Pace die einen selbst und die Läuferinnen und Läufer die sich angeschlossen haben zeitgenau ins Ziel bringt. Klassicherweise läuft man das Tempo konstant, was aber auch nicht immer ganz einfach ist. Hört sich blöd an aber tatsächlich gibt es Umstände die einen zu einer Tempoverschärfung oder auch wieder zu einer Drosselung zwingen.

Zugläufer beim Bienwaldmarathon in Kandel

Das Zugläufer-Team beim Bienwaldmarathon in Kandel. Zjelko und ich „unter 3:30h“

Meinen ersten Einsatz als Zugläufer hatte ich dieses Jahr Anfang März beim Bienwaldmarathon in Kandel. Die Organisatoren hatten eine Vakanz bei der Zielzeit 3:29 Stunden. Dem anschließenden Facebookaufruf bin ich gefolgt und bekam so meinen ersten Pacemakerjob. Zur Vorbereitung auf meinen ersten UltraTrail – Defis de Seigneurs – kam der Marathon in einer für mich sehr gut laufbaren Pace wie gerufen. Zu meiner Überraschung traf ich bei der Abholung des Shirts und des Luftballons auf das Laufurgestein Željko Starčević. Wir kannten uns bereits von einigen Vorbereitungsläufen zum Baden Marathon und etlichen Laufevents rund um Karlsruhe. Wer den lieben Željko kennt weiss dass der Marathon mehr als kurzweilig und mit Dauergrinsen gelaufen wurde.

Kurz vor dem Start war der Ballon noch da…keine 5 Minuten später flog er der Sonne entgegen 🙂

Ein großes Glück für mich so einen Erfahrenen Läufer und zigfachen Tempomacher an meiner Seite zu haben. Der Marathon selbst verlief bis auf den ersten Kilometer als ich Depp zum Einstand gleich mal meinen 3:30h Ballon verlor recht umspektakulär.  Nach 3:29:11 Stunden lief ich mit Alleinunterhalter Željko ins Ziel. Ein richtig tolles Gefühl kann ich euch sagen und was für ein Spass bei Kaiserwetter so einem Bombenkerl. Danke Željko  :-).

Zugläufer beim Dämmermarathon in Mannheim

Beim Start des Dämmermarathons in Mannheim mit Thomas (rechts), Dirk (mitte) und mir als Zugläufer 3:30h

Meinen zweiten Einsatz als Zugläufer hatte ich am Pfingstsonntag beim Dämmermarathon in Mannheim. Wie kam ich dazu? Über  Željko ….wer sonst  🙂 Die Antwort auf meine Anfrage per Mail an die Organisatoren kam Prompt. Es wurden noch Pacemaker für 3:15 Std. und 3:30 Std. gesucht. Für 3:15 Std. hätte ich schon ordentlich Dampf machen müssen, doch so kurz vor dem Zugspitz UltraTrail wollte ich das nicht riskieren. Freund Hannes vom Chicken Express Running-Team läuft mit einer PB von 2:50 Std. die 3:15h ja quasi im Schlaf und so lief er die 3:15h und ich die 3:30h.

Fast pünktlich um 18:30h standen wir beide als Zugläufer in unserem jeweiligen Bereich beim Dämmermarathon am Start. Einmal mehr hatte ich mit meinen Pacemakerkollegen richtig viel Glück. Mit Thomas Steiner und Dirk hatte ich zwei erfahrene Tempomacher an meiner Seite. Man muss auch gestehen dass beim Marathon in Mannheim ein bissel mehr los ist als in Kandel, so schlug auch mein Herz beim Start etwas schneller als noch in Kandel. Viele Halbmarathonis hingen sich an uns um die 1:45h zu knacken. Doch auch nach der Halbmarthonweiche hatten wir ein schönes Grüppchen im Schlepptau. Leider musste Dirk bei  ca. KM 24 wegen Magenproblemen aussteigen aber mit Thomas lief das wunderbar. Wir hatten zwar mit der zum Teil sehr ungenauen Kilometrierung der Schilder zu kämpfen, doch Thomas und ich durchliefen mit Laufgefühl und der Durchnittspace auf der Garmin bis auf wenige Sekunden die Durchgangszeiten fast genau und waren bis KM 40 prima in der Zeit. Ein Blick auf die Uhr und …ooohhh Schreck…!!! Plötzlich mussten wir doch noch etwas auf die Tube drücken. Wieder einmal passte die Kilometrierung nicht und wir waren gezwungen das Tempo anzuziehen. Nach 3:29:54 Stunden vollendeten wir beide unser „Kunstwerk“ mit einer Punktlandung vor dem Congress Center Rosengarten. So war auch mein zweiter Einsatz als Zugläufer eine tolle Sache mit Happy End. Für Kumpel Hannes endete seine Pacemakerpremiere ebenfalls mit Applaus. Nach 3:14:56 Std. war er im Ziel, viel besser geht das nicht.

Baden Marathon in Karlsruhe

Kaum waren die Wunden von Mannheim geleckt, bekamen wir auch schon unseren nächsten Einsatz als Zugläufer. Der Baden Marathon in Karlsruhe ist für uns ein echtes Heimspiel und eine Ehrensache. Vielen Dank an die Memler dass wir euch und die Marathonveranstaltung am 16. September als Tempomacher unterstützen dürfen. Für Hannes 2:59h und mich 3:14h liegt die Messlatte nun etwas höher, doch auch diese Herausforderung werden wir souverän meistern. Jetzt heißt es noch ein paar Tage die Füße stillhalten bevor es dann am Freitag nach Grainau zum Zugspitz Ultratrail über 101 KM mit 5500 Höhenmetern geht.

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